Sonntag, 26. Juni 2011

Aller zwei Wochen ist ein gutes Metrum

Es geht mir gut. Immernoch. Ich hab das Gefühl, meine Produktivität gesteigert zu haben, was mir durchaus Freude bereitet. Vieles ist auf einem guten Weg, und auch wenn ich noch einiges an Wegstrecke übrig hab für die letzten drei Wochen, so ist sie durchaus schaffbar. Zwei Klassenvorspiele haben auch geholfen genauer zu wissen, was ich noch üben muss. Sonst nix passiert bis auf vorgestern abend eine Geburtstagsfeier und gestern eine Hochzeit. Hochzeit No. 2 von 5 in diesem Jahr die beiden kenne ich halb-gut, deswegen fand ichs auch schön, dass ich viel helfen durfte in der Küche und beim Programm. Streng genommen wurde es ein bisschen zu viel, nicht für mich, aber ich wollte schon aufpassen, dass ich meine innere Angespanntheit nicht auf andere übertrage. Heute war ich dann noch beim Abbau dabei und somit war es ein wirklich volles Wochenende. Den Sonntagabend muss ich mir immer frei halten, damit ich am Montagmorgen beim Hauptfachunterricht voll anwesend bin.

Heut morgen kam mir im Gottesdienst mal wieder ein netter Sinnspruch: Ich bin Optimist, ich optimiere ständig. Einer von vielen, die mir oft wieder entfallen, manchmal aber auch irgendwo in alten Aufzeichnungen begegnen und wenige bleiben permanent. Bei den permanenten hätte ich auch noch ein paar anzubieten, z.B.: Was ist das größte Geschenk an sich selbst? – Bescheidenheit. Ein Schlüsselgedanke ist auch: Adam und Eva waren fern von Gut und Böse. Was oft nicht in letzter Konsequenz durchdacht wird. Die Beiden wussten nicht, ob es Böse wäre vom Baum zu essen, da sie nicht wussten, was böse ist. Ob sie sich es vorstellen konnten, bevor sie die Frucht aßen? Also mit dem Gedanke schon vor der Tat das Böse in die Welt kam? Was heißt das für uns, wenn wir vom Paradies träumen? Dass wir nicht entscheiden sollten, was gut und böse ist? Etc.

Nächste Woche ist noch nicht so viel los, ich freu mich durchaus auch auf irgendeine Art von Kommunikation, danach kommen zwei streßige Wochen und vermutlich irgendwann danach meld ich mich auch hier mal wieder. bis denn.

Montag, 13. Juni 2011

Das Wort zum Montag

Es geht mir gut. Die zwei Wochen waren voll, zu voll um noch einen klaren Kopf zu behalten, aber mit etwas Übung legt sich das wieder. Voriges Wochenende war ich in der Heimat mit einer guten Mischung aus vorrangig Familie treffen und nachrangig Freunde treffen. Dabei war das Grundgefühl von anfang an, dass man sich viel zu selten so trifft und man ein weiteres Treffen planen sollte, wo doch mein Vater meinte, es würde das letzte in dieser Runde sein. Dieses Wochenende war ich dann auf dem Jazz-Festival in Moers. Wußte nicht, worauf ich mich einlasse, war aber überraschend positiv. Auf der einen Seite gibts eine Bühne mit durchlaufendem Programm und auch einigen guten, sowie einer für mich außergewöhnlich starken Band. Diese war allerdings speziell fürs Festival zusammengekommen, deswegen sei an dieser Stelle nur auf den kreativen Kopf hingewiesen. Auf der anderen Seite treffen sich jährlich wieder ein Haufen Punks um den Park zu verwüsten. Die Masse befindet sich irgendwo dazwischen, freut sich an den vielen (alternativen) Ständen und den noch viel zahlreicheren Spaßmusikanten auf dem Gelände, und sympathisiert oder verachtet das eine oder andere Extrem. Mir gefielen die beiden Parallelwelten und es gab auch ein paar denkwürdige Begegnungen, das soll aber nicht alles in den Blog. Abgesehen von den Wochenenden waren die Wochen dementsprechend vom Versuch geprägt, die verlorene Übezeit wieder aufzuholen. Da bleibt nur noch die Erwähnung vom Saxophonabend. Wir haben hier in Wuppertal zwar keine, da aber die zwei Kölner Säle immer belegt sind, kam die Kölner Saxophonklasse zum Konzert nach Wuppertal. Was mir außerordentlich gut gefiel, da mir das Saxophon deutlich vertrauter ist als viele andere Instrumente und die Klangvielfalt längst nicht so ausgeschöpft und verbraucht wie bei manch einem „alten“ Instrument. Ich wünsch frohe Pfingsten und dass der Heilige Geist schön fleißig ist.

Sonntag, 5. Juni 2011

Was ist Bildung?

Hier kommt nun der versprochene Post. Er ist noch nachgereicht vom längst ausgelesenen Schwanitz, allerdings fällt es mir schwer über die Gedankenanstöße daraus zu bloggen. Einerseits ist Schwanitz eigene Sicht recht platt, und ich möchte versuchen alles gleichmäßig auszuleuchten, andererseits können die Blogleser auch ganz schön weit in ihrer Ausgangslage auseinanderliegen. Draus geworden ist ein viel zu langer Text.

„Blicken wir indes auf die soziale Wirklichkeit, stellen wir fest, daß Bildung nicht nur ein Ideal, ein Prozeß und ein Zustand, sondern auch ein soziales Spiel ist. […] In den Club der Bildung wird man nur aufgenommen, wenn man das Spiel schon beherrscht; aber spielen lernen kann man nur im Club. […] Weil das Bildungsspiel ein »Unterstellungsspiel« ist. Im geselligen Verkehr unterstellt jeder dem anderen, daß er gebildet ist, und der andere unterstellt, daß ihm das unterstellt wird. […] Das Ergebnis ist, daß in der Bildung wie in der Liebe die Erwartungen unrealistisch werden, weil sie nicht überprüft werden dürfen.“ (S. 505f.)

Weiter führt er aus, dass nicht begründbar ist, was zu einer Bildung gehört, und wichtiger als das Wissen die Spielregeln sind, nach denen gespielt wird.

Dieses Kapitel hat mir geholfen in der bewussten Wahrnehmung von unbewussten Erwartungen. Natürlich weiß man sofort, wer das Spiel spielen kann, und wer nicht, die Ergebnisse des Bildungsspiels lassen sich leicht zeigen. Und gerade weil wir so intuitiv mit unserer Bildung spielen, scheint uns diese Klassifizierung eine sehr logische zu sein, denn die Beherrschung der Regeln zeigt sich ja in den einfachsten Gesprächen. All das wirkt nun leicht lächerlich, wenn man ein ganzes Buch über Bildung liest, um am Ende festzustellen, dass ein festgeschriebenes Bildungsminimum entweder sehr minimal ist oder, wenn wir von einem größeren Kanon sprechen, sehr dumm ist (Kanon ist nicht begründbar und lähmend – s.u.). Trotzdem ist Bildung ja hilfreich, oder?
Das Ideal der Bildung ist hilfreich, es verhindert die Fachidioten und begünstigt unorthodoxe Lösungen, wenn man über den Tellerrand seiner eigenen Welt sehen kann. Persönlich weiß ich, dass es glücklicher macht, wenn das Gehirn unterschiedliche Kost hat, und sich nicht um die eigenen Sorgen dreht. Bildung als Prozeß und Zustand beleuchtet zwei unterschiedliche Seiten, wobei das beständige Dazulernen betonenswert ist (macht demütig und lernbereit), wogegen der Zustand relativ gesehen werden muss, relativ zur Gesellschaft in der man sich befindet. Der Zustand des Gebildetseins löst natürlich zwangsläufig das soziale Spiel aus, dessen Nützlichkeit ich bezweifeln will.
Die Kenntnis der Regeln kann man als Nutzen auffassen, man lernt inhaltsvollen Unterhaltungen folgen zu können. Wer mit dem Etcetera-Prinzip arbeitet, muss sich nicht im Thema auskennen, sondern wird im Verlaufe des Gesprächs herausfinden, worum es geht. Dagegen lähmt die Erwartung, dass jeder gebildet ist. Denn was nützt uns gemeinsames Wissen? Nützlich ist es, wenn man beim Gespräch gemeinsame Bekannte hat (siehe da), aber wenn man nur einem aus der Gruppe die vorausgesetzten Begriffe erklären muss, dauert es wieder länger. Als zweites Argument spricht gegen den Kanon, dass es eine Diskussion lähmt, wenn alle die gleichen Bücher oder gleiche Medien konsumieren. Ich halte den Schulunterricht für sinnvoller, wenn in einer Schulklasse jeder ein anderes Buch des selben Autors liest. Theoretisch könnte ein Lehrer sich dann für ein-zwei Stunden zurückziehen, selbstständiges Austauschen und Lernen wäre möglich. (Gleiches Prinzip auf der nächsten Cocktail-Party.) – Leider funktioniert es nur in der Theorie, da Schule als Arbeit gehändelt wird, und keiner übermäßig arbeiten will. Dass der eine nur kurze Prosa liest, der andere aber Epen, kann man unter den Bedingungen keinem schmackhaft machen, obwohl gerade das eine Betonung der Individualität wäre. Ein Ziel, das die Schule leider nicht verfolgt und somit den Musiksendern und den Jugendmoden überlassen hat. Wir sind zwar nicht zwangsläufig Epigonen, aber doch Kinder unserer Zeit. – Wer bei diesem Satz die Kehrseiten von angewandter Bildung spürt, sollte sich nicht ärgern. Online kann man das Problem prima umgehen, z.B. indem man auf wikipedia verlinkt, auch wenn ich gegen ebendiese nun leichte Ressentiments habe.
Was kann man aus der theoretischen Abhandlung lernen? Ich meine, Bildung ist gut, Kanon und Erwartung derselben nicht. Das gesellschaftliche Spiel und die Klassifizierung kann man eh nicht unterbinden, deswegen sollte man sie sich bewußt machen. Suche die Bildung, die dein Gesprächspartner hat, nicht diejenige die du voraussetzen würdest. Es gefällt nunmal nicht, auf seine Unbildung aufmerksam gemacht zu werden, weil dahinter gleich der Anspruch eines verpassten Kanons steht. Selbstverfreilich sollte man sich weiterbilden, eventuell aber bevorzugt dort, wo andere es nicht tun. Ein Bildungsspiel ohne Bildungskanon zu spielen ist schwer, aber nicht unmöglich und vorallem – lohnenswert.