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Sonntag, 5. Juni 2011

Was ist Bildung?

Hier kommt nun der versprochene Post. Er ist noch nachgereicht vom längst ausgelesenen Schwanitz, allerdings fällt es mir schwer über die Gedankenanstöße daraus zu bloggen. Einerseits ist Schwanitz eigene Sicht recht platt, und ich möchte versuchen alles gleichmäßig auszuleuchten, andererseits können die Blogleser auch ganz schön weit in ihrer Ausgangslage auseinanderliegen. Draus geworden ist ein viel zu langer Text.

„Blicken wir indes auf die soziale Wirklichkeit, stellen wir fest, daß Bildung nicht nur ein Ideal, ein Prozeß und ein Zustand, sondern auch ein soziales Spiel ist. […] In den Club der Bildung wird man nur aufgenommen, wenn man das Spiel schon beherrscht; aber spielen lernen kann man nur im Club. […] Weil das Bildungsspiel ein »Unterstellungsspiel« ist. Im geselligen Verkehr unterstellt jeder dem anderen, daß er gebildet ist, und der andere unterstellt, daß ihm das unterstellt wird. […] Das Ergebnis ist, daß in der Bildung wie in der Liebe die Erwartungen unrealistisch werden, weil sie nicht überprüft werden dürfen.“ (S. 505f.)

Weiter führt er aus, dass nicht begründbar ist, was zu einer Bildung gehört, und wichtiger als das Wissen die Spielregeln sind, nach denen gespielt wird.

Dieses Kapitel hat mir geholfen in der bewussten Wahrnehmung von unbewussten Erwartungen. Natürlich weiß man sofort, wer das Spiel spielen kann, und wer nicht, die Ergebnisse des Bildungsspiels lassen sich leicht zeigen. Und gerade weil wir so intuitiv mit unserer Bildung spielen, scheint uns diese Klassifizierung eine sehr logische zu sein, denn die Beherrschung der Regeln zeigt sich ja in den einfachsten Gesprächen. All das wirkt nun leicht lächerlich, wenn man ein ganzes Buch über Bildung liest, um am Ende festzustellen, dass ein festgeschriebenes Bildungsminimum entweder sehr minimal ist oder, wenn wir von einem größeren Kanon sprechen, sehr dumm ist (Kanon ist nicht begründbar und lähmend – s.u.). Trotzdem ist Bildung ja hilfreich, oder?
Das Ideal der Bildung ist hilfreich, es verhindert die Fachidioten und begünstigt unorthodoxe Lösungen, wenn man über den Tellerrand seiner eigenen Welt sehen kann. Persönlich weiß ich, dass es glücklicher macht, wenn das Gehirn unterschiedliche Kost hat, und sich nicht um die eigenen Sorgen dreht. Bildung als Prozeß und Zustand beleuchtet zwei unterschiedliche Seiten, wobei das beständige Dazulernen betonenswert ist (macht demütig und lernbereit), wogegen der Zustand relativ gesehen werden muss, relativ zur Gesellschaft in der man sich befindet. Der Zustand des Gebildetseins löst natürlich zwangsläufig das soziale Spiel aus, dessen Nützlichkeit ich bezweifeln will.
Die Kenntnis der Regeln kann man als Nutzen auffassen, man lernt inhaltsvollen Unterhaltungen folgen zu können. Wer mit dem Etcetera-Prinzip arbeitet, muss sich nicht im Thema auskennen, sondern wird im Verlaufe des Gesprächs herausfinden, worum es geht. Dagegen lähmt die Erwartung, dass jeder gebildet ist. Denn was nützt uns gemeinsames Wissen? Nützlich ist es, wenn man beim Gespräch gemeinsame Bekannte hat (siehe da), aber wenn man nur einem aus der Gruppe die vorausgesetzten Begriffe erklären muss, dauert es wieder länger. Als zweites Argument spricht gegen den Kanon, dass es eine Diskussion lähmt, wenn alle die gleichen Bücher oder gleiche Medien konsumieren. Ich halte den Schulunterricht für sinnvoller, wenn in einer Schulklasse jeder ein anderes Buch des selben Autors liest. Theoretisch könnte ein Lehrer sich dann für ein-zwei Stunden zurückziehen, selbstständiges Austauschen und Lernen wäre möglich. (Gleiches Prinzip auf der nächsten Cocktail-Party.) – Leider funktioniert es nur in der Theorie, da Schule als Arbeit gehändelt wird, und keiner übermäßig arbeiten will. Dass der eine nur kurze Prosa liest, der andere aber Epen, kann man unter den Bedingungen keinem schmackhaft machen, obwohl gerade das eine Betonung der Individualität wäre. Ein Ziel, das die Schule leider nicht verfolgt und somit den Musiksendern und den Jugendmoden überlassen hat. Wir sind zwar nicht zwangsläufig Epigonen, aber doch Kinder unserer Zeit. – Wer bei diesem Satz die Kehrseiten von angewandter Bildung spürt, sollte sich nicht ärgern. Online kann man das Problem prima umgehen, z.B. indem man auf wikipedia verlinkt, auch wenn ich gegen ebendiese nun leichte Ressentiments habe.
Was kann man aus der theoretischen Abhandlung lernen? Ich meine, Bildung ist gut, Kanon und Erwartung derselben nicht. Das gesellschaftliche Spiel und die Klassifizierung kann man eh nicht unterbinden, deswegen sollte man sie sich bewußt machen. Suche die Bildung, die dein Gesprächspartner hat, nicht diejenige die du voraussetzen würdest. Es gefällt nunmal nicht, auf seine Unbildung aufmerksam gemacht zu werden, weil dahinter gleich der Anspruch eines verpassten Kanons steht. Selbstverfreilich sollte man sich weiterbilden, eventuell aber bevorzugt dort, wo andere es nicht tun. Ein Bildungsspiel ohne Bildungskanon zu spielen ist schwer, aber nicht unmöglich und vorallem – lohnenswert.

Samstag, 20. November 2010

Ich bestimme das Thema.

Die Zeit fließt schnell vor sich hin, schneller als erwartet. Momentan lese ich viele Bücher und übe mäßig, dazu einige Gedanken im Kopf, was ich ändern könnte, mal angehen sollte. Da ichs schon gegenüber einigen erwähnte, für alle nochmal eine kurze Aufzählung der Bücher:
Von Tucholsky einige Kurzgeschichten, manche sind sehr gut, viele aber für mich belanglos, nach einem Drittel des Buches stockt es grad ziemlich. Von Hemingway einige Kurzgeschichten, wie ich finde, ein mühsamer Stil, auf seine Art schön, aber etwas zu spröde. Dagegen war die etwas längere Geschichte „Der alte Mann und das Meer“ sehr eindrucksvoll, da sich nochmal eine andere Welt öffnet, wenn man nach einigen Seiten in den Stil eingetaucht ist. Nun bin ich bei Schweitzers „Aus meinem Leben und Denken“ angelangt, was ein sehr inspirierendes Buch ist, schon von den ersten Seiten an. Wenn ich Zeit und Muße finde, will ich gern dazu noch was schreiben.
Des Weiteren lese ich von SchwanitzBildung. Alles was man wissen muß“. Zugegeben, der Name hat mich abgeschreckt. Aber er ist nicht nur provokant, sondern durchaus gerechtfertigt. Im ersten Teil gehts ums Allgemeinwissen, knapp dargestellt, aber umfassend. Im zweiten Teil um den Umgang unter Gebildeten, die Einleitung dazu ist sehr lesens- und denkenswert. Würde ich auch gern einmal paar Dinge rausschreiben. Auch standen in diesem Buch einige interessante selbstreflexierende Sätze, die zu dem Posttitel führten.
Last but no least probier ichs doch mal, die Bibel von vorn nach hinten zu lesen. Einige Passagen in den Büchern Mose schreckten mich zwar immer davon ab, aber irgendwann wollte ichs doch mal angehn. Zwei von fünf Büchern sind schon passé, ob ich bis Weihnachten allerdings Mose schaffe, ist zu bezweifeln.
Drei weitere, kurze Bücher liegen noch auf meinem Schreibtisch, sodass die Zeit bis Weihnachten in jedem Fall gut gefüllt ist.
Als letztes wollte ich schon lange nachtragen, dass ich mit den Father-Brown-Erzählungen durch bin, zumindest in der fast vollständigen Gesamtausgabe. Durchaus empfehlenswert, wenn man sein englisch etwas üben möchte und Spaß an Kriminalfällen hat. Nur wenige sind in ihrem Verlauf absehbar, auch wenn sie sich sehr ähneln; mehr noch macht diese Geschichten die pointierte Darstellung des Fathers und die wortreiche Schreibweise Chestertons lesenswert.
Nun denn, genug geschrieben, wünsche eine angenehme Adventszeit.

P.S.: Da les ich grad bei wikipedia, dass es für Hemingways Geschichte – ähäm – Novelle den Literaturnobelpreis gab… dass sie als so außergewöhnlich eingeschätzt wird, hätte ich nicht gedacht.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Klolektüre

Ich hab mir von zu Hause nicht nur Bücher mitgenommen, sondern auch drei Magazine von brand.eins. Ist zwar ein Wirtschaftsmagazin, schreibt aber über vieles, was nicht nur Unternehmer interessieren dürfte. Zum Beispiel die Ausgabe „Bildung“. Wer sich davon ein Bild machen will und auch etwas längere Texte nicht scheut, kann hier den Aufmacher lesen. Noch hab ich mir kaum Gedanken dazu gemacht, aber die Meinung ist definitiv lesenswert.