Donnerstag, 27. Mai 2010

Zuckmayer (5)

Was mich überraschte, war, wie früh in der Weimarer Republik sich schon ihr späteres Ende abzeichnete.

„In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle aufs tiefste betraf. Am 24. Juni 1922 wurde in Berlin der deutsche Außenminister Walther Rahtenau ermordet, […] er wurde ermordet, weil er Jude war.“ (S. 351)

„Zum ersten Mal hörten wir jene ›Sprech-Chöre‹, von denen später, als Hitlers braune Banden die ›nationale Erhebung‹ inszenierten, die deutschen Städte widerhallten:

»Verreckt ist Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau« “ (S. 352)

Zuckmayer (4)

„Es kam Paul Hindemith […] Auf den Schultern schleppten wir den kleinen, immer lach- und scherzbereiten Musikanten – er liebte sich so zu nennen – durch die Stadt, zu unserem Stammlokal […] In der Ecke stand ein wackliges Piano, auf dem das ›Paulche‹ Hindemith uns nachts mit dem Seehundsklavier bekannt machte: die flachen Hände wie Flossen benutzend, ohne einzelne Tasten anzuschlagen, brachte er köstliche Parodien auf gängige Musikwerke zustande, wobei er selbst wie ein dressierter Seehund aussah. Liszt, Chopin und Wagner, mit Seehundsflossen gespielt, gewannen entschieden an Humor.“ (S. 341)

Zuckmayer (3)

Irgendwie kann ich gut nachvollziehen, wie Fraenger gearbeitet hat:

„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)

Montag, 17. Mai 2010

Zuckmayer (2)

„Dies war das erste, folgenschwere ›appeasement‹. Man hatte Hitler freie Hand gegeben, und er steckte sie nicht in die Tasch, wenigstens nicht in seine eigene.“ (S. 141)

Zuckmayer (1)

Wie schon hier erwähnt, lese ich seit längerem Carl Zuckmayers „Als wär’s ein Stück von mir“. Da darin zwischen vielen autobiographischen Erzählungen immer wieder interessante Feststellungen sind, wollte ich hier mal ein paar zitieren, vorerst unkommentiert. Zum Zusammenhang noch: Carl Zuckmayer ist vor dem zweiten Weltkrieg in die USA emmigriert und dass er nicht in einem KZ gelandet ist, war teilweise mehr Glück.

„Doch es wird immer anders. Es wird immer anders, solange man lebt. Zwar heilt die Zeit keineswegs alle Wunden. Doch sie lehrt uns eine Dialektik der Metamorphose, des Sich-Verwandeln-Müssens. Ihre These ist: der Lebenswille! Ihre Antithese: die Verzweiflung. Ihre Synthese ist die Freundschaft.“ (S. 112)

„Man soll die Emigration nicht für einen Ausflug halten […] wieviel Selbsttäuschung, vergebliche Hoffnung, falsche Zuversicht, zerbrochene Lebensmitte! Dabei hatten wir ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen soll: das waren die Russen, die nach der Oktober-Revolution von 1917 geflüchtet waren […] und jedes Osterfest mit dem Trinkspruch begingen: zu Weihnachten sind wir daheim!“ (S. 113)

Hmm, ich könnte ein paar Seiten dazu zitieren, aber das wäre zu lang, wahrscheinlich sind erlaubte Zitate noch kürzer…

Sonntag, 16. Mai 2010

wir sind doch alle Freidenker, oder?

Nun, grade unter Musikern ist man für alles offen - aber bitte nicht verwechseln mit Freidenkern. Denn diese sind ja frei von religiösen Bindungen und dafür sind Musiker indirekt doch offen. Mein Dozent z.B. beschäftigt sich intensiver mit der Terlusollogie, was für mich eher Astrologie ist. Auch wenn evt. wissenschaftliche/wahre Zusammenhänge drinnen stecken könnten (m.E. nicht beweisbar), ist der Kern eine falsche Vorstellung von Vorherbestimmung. Was soll man dazu sagen?

so lala.

Der Wettbewerb ist vorbei - und ich bin froh darüber. Er hat mir einiges gebracht, hab schnell viele Stücke kennengelernt, mal wieder meinen Wettbewerbswillen geprüft und schlußendlich bin ich ganz zufrieden mit dem, was ich abgeliefert habe. Klar, dass ich hier nicht in die zweite Runde kam und nicht um Preise mitgespielt habe. Einerseits bin ich hier der Jüngste und manche studieren schon so lange, wie ich überhaupt schon Akkordeon spiele; andererseits ist nicht nur deutsches Niveau vertreten, sondern vorallem auch Ausländer, die in Deutschland studieren, natürlich im Aufbaustudium. Nun, jetzt gehts erstmal weiter mit dem Duell für Akkordeon und Schlagzeug. Und es geht mal wieder in die Heimat und ich hab so genügend andere Ablenkung...

Warum so wenig Deutsche vertreten sind? Nun, ich weiß nicht, ob ich jemals auf dieses nahezu perfekte Niveau komme. Denn dafür fehlt mir vielleicht wirklich der Willen. Akkordeon ist nicht alles im Leben, vieles, aber nicht alles. Und andere Dinge müsste ich wohl jahrelang und nicht nur die Wochen vor dem Wettbewerb zurückfahren, um das Niveau halten zu können. Und ganz allgemein: es geht uns in Deutschland zu gut. Warum sind Finnen so gut? Nun, sie haben ein halbes Jahr Nacht und nicht viel Ablenkung, viel Zeit zum Üben. Wenn hierzulande jemand 3 Stunden Computer spielt, ist es nichts ungewöhnliches, bei 3 Stunden Instrument spielen schon. Die andere Seite der Medaille ist, dass diese Besten der deutschen Hochschulen, die sich hier messen wieder zurück in ihr Heimatland wollen/müssen und die zurückgebliebenen deutschen Lehrer nicht diesen Standard erreichen. Naja, die Gedanken sind ausbaufähig, für einige nich neu, für andere vielleicht nich so wichtig - solange ich nicht weiß, wer hier noch kontinuierlich mitliest, muss ich wohl alles posten, über das ich nachdenke und das sich anbietet. schönen Tag noch.

Donnerstag, 13. Mai 2010

morgen nun

geht es los zum Hochschulwettbewerb. Bin ausreichend vorbereitet, brauch noch einen guten Tag, je nach Konkurrenz gibts dann einen Platz Mittelfeld. Von Preisen möchten wir mal nicht reden... wobei: die Konkurrenz aus den eigenen Reihen hat schon abgesagt, zu wenig Zeit zum Üben gehabt. Aber von jeder anderen Hochschule können zwei Leute noch kommen - keine Ahnung, was mich genau erwartet an Quantität und Qualität. Leider hab ich heut mitbekommen, dass ich kein Internet in der Unterkunft haben werde, mal schaun, obs woanders das gibt. Nun denn, ich wünsch euch ne schöne Woche, meine wirds. Man sieht sich. Oder schreibt sich vorher, wie wärs?

Donnerstag, 6. Mai 2010

Nachtrag zu Psychologie und weitere Gedanken

Jede Nachricht hat 4 Seiten: Einen Sach-/Inhaltsaspekt, einen Beziehungsaspekt, einen Appell und eine Selbstoffenbarung. D.h. z.B. wenn jemand sagt, „Mein Bier ist alle“, dann sind das nicht nur 4 Wörter, die einen Sinn ergeben, sondern auch ein Appell (Hol neues. Oder bemitleide mich.), eine Selbstoffenbarung (je nach Tonfall: Ich hab immer noch Durst. Ich geh ins Bett.) und es zeigt, dass in der Beziehungsebene ein leeres Bier irgendwie einen Stellenwert hat, sei es dadurch, dass der andere ein neues holen soll, oder wie auch immer.

Warum ich diese Gedanken aus dem ersten Psychologie-Blockseminar euch aufschreibe? Der Prof hatte um den Beziehungsaspekt zu verdeutlichen den Satz gewählt: „Du bist der größte Hampelmann aller Zeiten“. An einem lustigen Abend zu einem Freund wird er ganz anders interpretiert als am nächsten Morgen zum Prof gesagt. Aufbauend auf diesen Gedanken nun meine These: Wahrheit ist nicht nur was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird. Oftmals behaupte ich, gibt es keine Probleme mit der absoluten Wahrheit, viel öfter Probleme mit der Präsentierung dieser Wahrheit. So kann für mich richtige Kritik falsch werden, wenn man sie überheblich ablässt oder zum falschen Zeitpunkt. Klingt logisch, oder? Trotzdem wird es oft nicht beachtet, deswegen wollt ichs doch nochmal loswerden.

Sonntag, 2. Mai 2010

mal wieder.

Mehrfach angekündigt wird heute abend der Plan in die Tat umgesetzt. Ein Blog-Eintrag muss her. Über alles. Aber möglichst kurz. Und flüssig beim Schreiben, länger als ne halbe Stunde will ich ja auch nich dran sitzen. Nu da. Was mach ich momentan? Snooker schauen - immernoch. Morgen ist das Finale der Weltmeisterschaft. Danach kann das Leben wieder etwas normaler werden als es jetzt die letzten zwei Wochen war. Das hieß, wenn ich nen freien Tag hatte, hab ich möglichst meine Wohnung nicht verlassen. Morgens aufwachen, ins Internet gehen, frühstücken, den Computer und Internet und Chatmöglichkeiten gar nicht erst schließen, denn bald fängt ja die Snooker-Übertragung an. Und dann blieb der bis abends offen, denn Übertragungen waren um 11.00, 15.30 und 20 Uhr, manchmal nur eine halbe Stunde Pause dazwischen. Wer denkt, da kommt das Üben zu kurz, irrt sich. Es kommt drauf an, was man übt, je nachdem muss die Übertragung tonlos sein und man verpasst mal ein-zwei Frames wegen eines Problems. Aber gerade Dinge wie auswendig lernen oder Technikübungen sind sehr effektiv auch nebenbei zu realisieren. Trotzdem muss ich zugeben, die letzte Woche war das Üben nicht allzu gut, steigende Lustlosigkeit bei mangelnder Zieldefinition. Find ich aber normal nach Wochen, wos gut läuft, hat man viele stark motivierende Ziele erreicht und übrig bleiben die weniger motivierenden, bis man irgendwann die Stücke wirklich kann, wird der Weg meist etwas schwieriger. Jetzt ist die Zeit so knapp, dass ich gar nicht mehr weiß, was jetzt noch sinnvoll anzugehen ist. Wirklich in jedem Stück alles zu üben schafft man, nicht mehr, eins fällt mir momentan besonders schwer: Wenigstens an all das zu denken, was man theoretisch kann. Nicht, dass ich im Wettbewerb aufgrund von mangelnder Konzentration den Gesamtzusammenhang verliere.

Weitere Höhepunkte der letzten zwei Wochen waren ein Blockseminar Psychologie letztes Wochenende, ein Wahlabend bei Freunden und viele lange Nächte chatten - der Vollständigkeit halber. Ok, dann muss ich auch noch die zu vielen Spielereien erwähnen. Wenn man jetzt noch die merkwürdigen Gedanken zusammenbekommen würde... der Frühling ist zwar da, aber Lagerfeuer und Baden fehlen... Wuppertal ist zwar grün, aber ohne Parks oder Bänke im Tal, zum Spazieren muss man auf die Anhöhen rauf... erst schwitzender Käse regt den Appetit so richtig an... wie zeigt sich Intelligenz äußerlich... sind Ganztagsschulen das kleinere Übel... tja, mein Gedächtnis muss ich nochmal trainieren, wenn man am Computer sitzt, fällt einem nix mehr ein.

schöne Woche euch!