Samstag, 10. Dezember 2011

… und andere Hussiten

Ausgehend von Comenius hatte ich mich schon einmal durch wikipedia kundig gemacht über Utraquisten (Kalixtiner), Taboristen, Orebiten, Adamiten, Nikolaiten, Amalrikaner, Katharer (daher der Begriff Ketzer) und zuletzt auch Valdes, auch wenn der Schwerpunkt auf den böhmischen „Sekten“ lag, so hat sichs auch in die Vergangenheit gezogen und kreuz und quer…

Nun ist wikipedia nicht die beste Quelle, auch wenns ein netter Überblick über die Vielfalt war. Passenderweise hat aber mein Bruder auch gerade in die Richtung sich belesen und mir nette Dinge geschickt zu den Waldensern und nun bin ich bei Dokumenten zu den Anfängen der Brüderunität wieder angekommen. Auf Anfrage kann das gern weiterverteilt werden. Hier wollte ich nur einen Link weitergeben zu einer interessanten Persönlichkeit, die sich aus all den Kriegswirren nach Hus’ Tod herausgehalten hat und trotzdem konsequenter zum Glauben stand als andere gemäßigte: Petr Chelčický.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

coole Woche

Und schon wieder unter sieben Stunden Schlaf, und wieder ein Dutzend Mails bekommen und ein halbes Dutzend verschickt… ich mags, wenn eine Woche mal ungewöhnlich viel abbekommt. Gute Nacht.

Dienstag, 29. November 2011

Comenius

Letzte Woche Mittwoch hab ich ja den Vortrag über Comenius gehalten. Anschließend bin ich Donnerstag nach Hause, hatte einiges zu tun, mich da bei irgendwem angesteckt, und hab Sonntag recht verschnupft ein Konzert gespielt. Montag bin ich dann wieder hier angekommen und hab mir erstmal zwei Tage frei genommen zum Auskurieren, morgen gehts wieder los. D.h. schon heute abend mit ein wenig Üben für die Duoprobe morgen und mit dem Zusammenstellen eines Merkblattes über Comenius. Das geb ich auch an den Blog weiter, die Biographie hab ich für den Blog mal ausgeschrieben und etwas erweitert. Schittebön.


Comenius ist 1592 in Mähren geboren. Mit 16 Jahren ging er erst zur Schule, etwa von 19 bis 23 Jahren studierte er in Deutschland. Kam wieder zurück und wurde 1616 in Fulnek ordiniert (1632 dann zum Bischof). Die Brüderunität, in der er schon aufwuchs (früh verwaist), wurde 1608 offiziell anerkannt, da dem Kaiser allmählich die Macht schwand, machte er Zugeständnisse. 1618 wars mit der Macht ganz vorbei, allerdings führte die Revolte in Prag nur zur Unterstützung des Kaisers aus Österreich-Ungarn, diese formalen Religionskriege wurden die nächsten 30 Jahre an ganz verschiedenen Orten Europas ausgefochten. Die Brüderunität war also ab 1621 verboten und 1627 flüchtete er mit der ganzen Gemeinde über Görlitz und Berlin, bis er sich 1628 in Lissa (Westpolen) niederließ. Dort wurde er Lehrer am Gymnasium und 1636 auch Leiter desselben. Bald nahm seine pädagogische Arbeit viel Raum ein – er ließ sich zwischenzeitlich von seinem Bischofsamt von den in Mähren zurückgebliebenen Brüdern freistellen – und er hatte in ganz Europa, vorallem aber im deutschsprachigen Raum viele Kontakte zu bedeutenden Gelehrten. Ab 1641 hatte er mehrmonatige Aufenthalte in London, Niederlanden, Deutschland, Sárospatak (Ungarn) und Elbing (bei Danzig), wo er gebeten wurde seine Ideen umzusetzen. Auch um Magdeburg und bei anderen Fürsten wurden seine Vorschläge formal umgesetzt – mangels schlechter Lehrerausbildung und zu kleinem, sowie manchmal zu kurzem Einfluss der Fürsten gab es wenig nachhaltige Erfolge (zu recht wurde er wohl auch seines Idealismus’ belächelt). Trotzdem hat er den Begriff Pädagogik geprägt, alle Anfänge davor waren nicht so umfassend und tiefgehend wie seine Konzepte.

Voraussetzungen

- die Welt empfand er als Labyrinth und aus den Fugen geraten (30-jähriger Krieg)
- Ziel: Von wirrer Vielheit zur Einheit, d.h. Gott
- Leben ist Vorbereitung aufs Jenseits (analog zur Kindheit als Vorbereitung auf Erwachsenenleben)
- Verfehlung nicht durch Unsittlichkeit, sondern durch Unkenntnis und Trägheit

Forderungen

Universale und einheitliche Lehrbücher, Schulen (beide Geschlechter, alle soziale Stände), Kollegien und Sprache (Sprache ist Vielfalt, Gegenstände aber Einheit)

Schulplan

- 4 Schulen zu je 6 Jahren:
• „Mutterschule“ (Schulung der Sinne)
• „Muttersprachschule“ (breites Fächerangebot, auch handwerklich)
• „Lateinschule“ (Künste und Wissenschaften)
• „Hochschule“ (Willens- und Urteilsbildung)
- Berufung zum „Weltgelehrtenrat“ zur Vereinheitlichung der Erziehung

Unterrichtsmethode

- Alles zur rechten Zeit (vorsorglich ohne zu überfordern)
- Mit rechter Folge: Stoff vor Form (Merkstoff vor Zusammenhängen)
- zuerst Sinne, dann Gedächtnis, dann Verstehen, zuletzt Urteil
- Darstellung knapp und klar, ständig üben und wiederholen
- gründlich heißt: von innen verstehen und im Ganzen erleben
- keine verfrühten Zweifel, Widersprüche
- Schulen von Zerstreuung und Lärm fern halten, echte pädagogische Atmosphäre schaffen
- auch Sittsamkeit ist durch Vorbilder, guten Umgang und Zucht anzustreben
- Schulzucht soll bei Geistesbildung ganz und in sittlicher Erziehung soweit wie möglich ohne Schläge auskommen
- Hinwendung zu Gott ist Ziel der Geistesbildung und der sittlichen Erziehung
- Frömmigkeit ist nicht erziehbar, nur anzustreben
- „Was nicht zu Gott und dem künftigen Leben in Beziehung steht, das sei alles reine Eitelkeit“

Sonntag, 20. November 2011

Weiter geht die wilde Fahrt

Erfolgserlebnisse hab ich dies mal beim Üben, auch wenn ich weiter kritisch bleibe: es müsste mehr drin sein, auch mehr Übezeit. Aber wer weiß, vielleicht würde das Üben weniger produktiv werden, gebe ich ihm mehr Zeit.

Bin heut von der RegioKon zurückgekommen, war sehr gut. Hab mich gleich ins Bett und an den Computer gelegt, denn meine Füße taten (vom Spiel gestern?) weh und ich war schrecklich müde. War zusätzlich am Freitagabend statt beim Begrüßungsabend beim Geburtstag eines Kommilitonen, dadurch hatte ich nur 3,5h Schlaf. Aber es hat sich alles sehr gelohnt.

Morgen wirds dafür wieder voll, morgens (oder doch heut abend?) noch Theorie-HAn, dann Einspielen für den Akkordeon-Unterricht, abends Konzert der Schlagzeugklasse anhören und am Nachmittag will ich in 4h ein Referat basteln. Über Comenius. Soll ne knappe halbe Stunde Vortrag sein und ne Viertelstunde muss man ne Diskussion über die Pädagogik anzetteln. Muss mit Polylux oder Powerpoint begleitet werden, würde gern zweiteres nehmen, dafür sind 4h recht knapp bemessen.

Und zurück zur letzten Woche: War von Mittwochabend bis Freitagmorgen in Hannover, um zwei Konzerte anzuhören. Wen es interessiert, der kann sich auf NDRKultur am 4. Dez einen Mitschnitt anhören (hier ganz unten ab 22:05). Oder mich mal über Sofia Gubaidulina ausfragen, deren 80. Geburtstag dort gefeiert wurde. Ein Tag später war hier ein gutes Jazz-Konzert und am Montag wollte ich ins Konzert des Hochschulorchesters gehen. Allerdings mussten über hundert Besucher abgewiesen werden, weil der Saal nicht groß genug war. So saßen wir halt sehr lang in der Kneipe rum…

Ansonsten: Alltag. Eine Sache wollte ich noch erwähnen, von der ich gute Bilder wollte, was gar nicht so einfach ist. In Alexandertechnik hieß es dann einmal, stellt euch vor den Spiegel und schaut mal in euren Mund rein hinter das Zäpfchen. Alles, was ich gesehen habe, war etwa dies:



Dacht ich mir, das kanns nicht sein (und es bestätigte sich mal wieder, wie unflexibel ich mit meiner Zunge bin), und hab probiert, bis die Zunge unten lag und ich das Zäpfchen sehen konnte. Was ich nun im Spiegel sah, war noch lustiger (und deutlicher als man es auf dem Foto erkennen kann) – meine Zungenmuskel sind unterschiedlich stark ausgeprägt, ich bekomme nur eine Seite nach unten, während die andere höher bleibt:



Interessant. Seitdem spür ich auch, dass meine Zunge auf der rechten Seite immer gegen den Gaumen drückt. Werd ich mir wohl abgewöhnen.

Am Donnerstag gehts mal wieder kurz in die Heimat. Und der Sylvesterurlaub ist jetzt auch geplant, also bin ich auch zu Weihnachten nicht soo lang da. Aber man läuft sich ja sicher irgendwann wieder über die Füße…

(P.S.: Ist der Posttitel eigentlich ein literarisches Zitat?)

Samstag, 29. Oktober 2011

Und die zweite Woche ist vorbei

Es fühlt sich aber nach mehr an. Mehr Arbeit und mehr Gewöhnung. Nur leider hab ich grad keinen Zielpunkt vor Augen, geschweige denn große Erfolgserlebnisse. Zumindest beim Üben.

Hab gestern abend einen sehr schönen Film gesehen, der vorgestern auf dem BR kam. Falls ihr die Möglichkeit habt, ihn zu sehen (ich behalte ihn auf meinem Computer) – sehr zu empfehlen, hier der Trailer.

Außerdem habe ich eine sehr gute Biographie von Zinzendorf gelesen, die Website hat noch einige andere interessante Dokumente, werde mir aber wahrscheinlich nicht die Zeit dafür nehmen, obwohl sich die bisher investierte Zeit gelohnt hat.

Und auch sonst geht es mir gut. Manche Tage sind mir etwas zu einseitig, dann würde ich mich am liebsten noch mit wem unterhalten, aber wenn man nach elf auf den Gedanken kommt, bleibt halt nur noch der Blog…

Samstag, 22. Oktober 2011

The long day is over

Merkwürdig. Da isses halb drei und ich fühl mich nicht danach. Obwohl ich auch die letzte Woche morgens nich so leicht ausm Bette kam. Aber der Abend war schön. Um neun ging die Mensa-Party los. Ich kam kurz danach und dann dauerte es noch etwas bis das Tanzen, Kickern und Quatschen wirklich in Schwung kam. War auch alles heute ausreichend dabei, mehr Gespräche als sonst und auch überraschend gut gekickert. Die Erstis sind auch angenehm normal, soweit ichs einschätzen kann. Um eins wird dann auch alles schon wieder eingepackt, diesmal fand sich aber kein Haufen, der gemeinsam noch ins Kneipenviertel weiterzieht. Der Abend war mir auch gelungen genug.

Seit Sonntagabend bin ich wieder da. Der Sommer streckte sich sehr schön, wer was wissen will, maile mir. Übers Hauptfach schreib ich erst später, interessant war vorallem mal wieder Alexandertechnik und ein Moment in Aikido: Da berührt ich doch im Spagat mit meinen Händen den Boden. Ist mir sehr lange nicht passiert. Dadurch kann ich schätzen, dass schon in der siebten Klasse meine Füße standardmäßig nach außen gedreht waren, was ich im letzten Sommer änderte. Und in der Alexandertechnik gabs nochmal Anregungen für die Bein-Hüft-Kommunikation, sowie für den Kopf. Der darf nämlich ruhig ein-zwei Zentimeter weiter hinten bei mir sitzen. Hab ich wohl wegen der langen Haare nach vorne gezogen. Unnötig. Und ist evtl. mit Schuld daran, dass ich nicht so tief singen kann, wie es eigentlich mal möglich war.

Wens interessiert, meine Tätigkeiten neben Vorlesungen, Aikido und SMD: Üben (2,5 Solostücke + 2,5 Kammermusikstücke), Singen lernen, Jazzstücke analysieren, Bibel lesen und beten, Tschechisch, Spanisch und Hebräisch lernen. Und trotz der guten Auswahl hatte ich heute einen leicht unwilligen Tag, aber im allgemeinen kann ich mich über meine Arbeitsmotivation nicht beschweren. Gute Nacht euch, lasst mal was hören.

Samstag, 16. Juli 2011

gegen die Lust

Heut war ein vergammelter Tag. Also wie geplant. Ungeplant war, dass mir Computerspielen kaum Spaß mehr macht. Naja, vielleicht schon irgendwann mal wieder, aber heute nich so. Aber fangen wir vorne an.
Ursache für meinen Stromausfall war mein Herd. Der geht jetzt nicht mehr, bzw. verursacht nen Kurzschluss, wenn man ihn einschalten will. Fachmann kommen lassen lohnt sich nicht, entweder ich leb ab Oktober ohne Herd hier, oder ich find selber nen Fehler oder ich zieh aus. Die Faulheit schlägt Lösung eins vor.
Sonntag war der Klassenabend, der diesmal nur zwei Stunden lang ging, und qualitativ auch recht gut war. Solo und Kammermusik waren sehr gut, unser Ensemble war ausreichend gut fürs Konzert, aber wir könnten wohl mehr, wenn wir gewollt hätten.
Montag bis Mittwoch waren dann täglich zwei Proben für Nosferatu. Die Abendprobe war immer deutlich besser als die Morgenprobe (da verzählt man sich grundlos) und auch im Laufe der Tage gabs eine deutliche Steigerung bis zum Konzert. Das war am Mittwochabend und bis auf einen falschen Einsatz im Fortissimo, zu meiner vollsten Zufriedenheit gelaufen. Hab mich nicht verzählt und Solostellen so gut wie möglich abgeliefert, nicht alles war so möglich, wie vom Komponisten gefordert.
Dienstag war noch mündliche Theorie-Prüfung, insgesamt haben wir 3 Noten bekommen (mündl., schriftl., schriftl. in Gehörbildung), hab bei allem eine 1,7.
Dann war ich ganz schön erschöpft. Als ich Mittwochabend zum Konzert ging, wollten meine Beine kaum noch laufen. Auf dem Nach-Hause-Weg war es einfacher, zwar liefen sie langsam, aber ich war glücklich genug, dass es mich nicht interessierte. Donnerstag war ich ziemlich im Eimer, hab tagsüber lange Pausen gemacht. War trotzdem morgens um neun zu Musikgeschichte gegangen, hab auch Mittwoch und Donnerstag mit In. und Ve. einander vorgespielt, am Freitag hatten wir drei Zwischenprüfung. Üben ging mit langen Pausen dazwischen, laufen war ganz schön anstrengend. Wollte Donnerstagabend eigentlich noch zum Hochschulsport, evtl. sogar zu nem Film, aber das erschien mir nicht möglich, wenn ich noch irgendwie Kraft für den nächsten Tag haben wollte. So hab ich bis neun noch in der Hochschule geübt.
Am Freitag dann ausgeschlafen, hab dann die Zwischenprüfung gespielt, zwei Stücke sehr gut, beim dritten vergaloppierten sich ständig meine Finger. Einmal musste ich ein paar Takte eher neu ansetzen, hab dafür aber nicht abgesetzt, sondern nen Takt lang improvisiert. Also hab ich durchgängig den Gestus des Stückes beibehalten, nur die Töne oftmals nicht, was man bei dieser Komposition aber auch nicht unweigerlich merkt. Raus kam dann ne 1,3. Nach ner Essenspause und bissl Warmspielen dann noch Nebenfachprüfung. Ein wenig und ein wenig mäßig kleine Trommel gespielt und recht gut auf dem Vibraphon dann musiziert, raus kam ne 1,7. Also kann ich durchaus zufrieden sein mit dem Semesterabschluss. Vor drei Wochen kam mir das Semester noch kurz vor, nach der letzten Woche, aus der man drei hätte machen können, kam es mir sehr lang vor. Hab mir trotzdem noch ne Schlagzeug-Masterprüfung am Freitagabend angehört, war sehr schön, anschließend noch beim Sektempfang gewesen. Bin dann aufgebrochen zur Abschiedsparty, wo ich erstaunlich lange durchhielt, bin um fünf wieder zu Hause gewesen. Bis halb eins heut geschlafen, ich denke den Tag könnt ihr euch vorstellen.
Bin noch bis Donnerstagmorgen hier, ab Samstag dann in der Heimat. Hab Montag und Dienstag recht viel freie Zeit, muss mir noch strukturieren, was ich über den Sommer machen will/soll/kann. Ansonsten gibts hier wohl wieder ne Sommerpause und es geht erst wieder im Oktober weiter. Gute Nacht, o Wesen.

Samstag, 9. Juli 2011

Dunkel wars, der Mond schien… nicht.

So… Samstagabend und ich wollt gern einen neuen Post schreiben. Nur kommt der erst später online, da ich einen Stromausfall habe. Momentan gibts zwei Erklärungen: die erste wäre der leicht verbrannte Geruch beim Reinkommen, die zweite der Brief des Netzbetreibers heute morgen im Briefkasten. Für nen Kabelbruch spricht auch, dass es nur meine Wohnung betrifft und ich nicht weiß, warum man mir den Strom abstellen sollte. Blöderweise liegt der Brief in der Hochschule, ohne dass ich ihn gelesen hätte. Egal, solange es kein bösartiger Kabelbruch ist (Schmorbrand oder auf eigene Rechnung), stört es nur wenig, wenn ich ne zeitlang ohne Strom bin.
Erst vor drei Tagen das letzte Mal gebloggt… dann kommt als erstes das StuPa drin. War am Donnerstagabend die konstituierende Sitzung. Organisation sollte straffer sein, die Wahlen sind auch reichlich unsinnig gewesen, haben aber die meiste Zeit beansprucht. Trotzdem könnte das Jahr lustig werden, eine(!) interessante Information gabs auch. Und sonst wars ne angenehme Fahrt, da ich mich mit Is. ganz gut unterhalten kann.
Nachdem das Üben Donnerstag schrecklich zäh war, nahm ich mir einen recht verschlafenen Freitagmorgen, war dafür am Nachmittag echt fit. Die K.A.-Prüfung lief dann auch recht gut, auch bei den anderen Beiträgen. Hab nen Wein geschenkt bekommen und eigentlich auch ne Einladung zu Freibier, aber die musste ich ausschlagen wegen des Sommerfestes in Wuppertal.
Das war sehr schön gelungen. Im Gegensatz zu normalen Mensa-Partys war dieses Fest stark von den Dozenten gestaltet, entsprechend eine andere Atmosphäre, aber keine steife. Verpasst hatte ich einige Programmbeiträge am Nachmittag. Als ich kam spielte grad auf dem Hof eine Studentenband recht ausgelassene Lieder, dann ging es weiter in den Kammermusiksaal. Das Salonorchester gab ältere Tanzmusik zum Besten, und es tanzten zu aller Überraschung wirklich viele dazu. Nicht immer aber zum eigentlichen Tanzstil, der Slowfox z.B. ist etwas aus der Mode gekommen. Wahrscheinlich wirds wegen des Erfolges in Zukunft einen Tanzkurs an der Hochschule geben, eine Studentin würde wohl wöchentlich eine Stunde geben. Wär ziemlich cool. Achja, ich hab mit zwei Kommilitoninnen und einer Dozentin getanzt, bei der anderen Hälfte der Lieder nur zugeschaut. Dabei auch bemerkt, dass „normale“ Gespräche leider schwer zustande kommen, wenn der Fokus so auf dem Tanz liegt. Abschließend gab es „Poetisches zur Nacht“. Ein paar Dozenten lasen ihre Lieblings-Prosa vor, zwischendurch sangen wir Abendlieder. Eigentlich ein wunderschöner Abschluss um ins Bett zu gehen, aber es musste noch aufgeräumt werden. Hab also noch einige Zeit mitgeholfen und mich dann auf den Hof gesetzt. Dort versammelten sich die Studenten mit dem Restalkohol, einige hatten noch etwas mitgebracht. Eigentlich sollte es irgendwann Richtung Elberfeld gehen, dann wäre ich stattdessen ins Bett gegangen. Allerdings fuhren nur die Autos weg, die Bus-/Bahnfahrer machten einen Versuch alle Leute zu mobilisieren… das war zu viel verlangt. Dann blieben halt alle Leute da auf dem Hof sitzen, d.h. es war zusammengeschrumpft auf fünfzehn etwa. Tja, die hielten aber auch länger durch als ich erwartet hatte. Blieb bis zu letzt und schaffte noch jemanden nach Hause, als ich selber den Heimweg antrat, wurde es wieder hell. Dementsprechend war der heutige Tag gut, aber kurz, und ich werd auch wieder müde, also texte ich euch nicht weiter zu. Auf bald. (Besser als gestern: Bis Oktober. Gruselig.)

Mittwoch, 6. Juli 2011

Zwischen den Speichen

Die Woche ist so viel los, dass ich möglichst dicht bloggen möchte.
Montag war zuerst die Harmonielehre-Klausur. Hab ein gutes Gefühl, kein schweres Thema für mich, trotzdem war die Zeit zu knapp berechnet. Hab eine kleiner Aufgabe nicht geschafft, die anderen waren längst nicht so weit. Nach ner Pause sollte es dann weitergehen mit Gehörbildung, da der Dozent aber einsah, dass die Zeit zu kurz war, hat er die halbe Stunde vor Gehörbildung noch mal die Arbeit rausgegeben. Nur ich hab nicht dran weitergearbeitet. Dafür war ich dann ausgeruht und hab ein sehr gutes Gefühl bei Gehörbildung, obwohls nicht meine Stärke ist. Und die anderen hatten spürbar Probleme mit dem Streß. Leider verpasste ich durch die Prüfung den Tanzkurs, der wohl gut angekommen ist. War ne (bis jetzt?) einmalige Angelegenheit wegen des Sommerfestes am Freitag an unserer Hochschule.
Auch noch interessant war, wie detailliert ich mich am Montagmorgen an meinen letzten Traum erinnern konnte. Verknüpfte durchaus kreativ meine ehemalige Schule mit der Hochschule, hab danach ne halbe Stunde es aufgeschrieben, wens interessiert, dem schick ichs zu – nur hierher wäre mir grad zu öffentlich.
Gestern war ich dann in Krefeld zur Reparatur. Während der Mittagspause hab ich die Stadt besichtigt. Krefeld ist erschreckend normal. Die meisten Städte find ich entweder langweilig oder in irgendeine Richtung besonders, Krefeld hat alles, aber nichts übermäßig oder herausstehend. Etwas mehr Grün, etwas mehr Kinder, und mehr Wohnviertel am Rand der Innenstadt, mehr braucht sie gar nicht fürs Stadtbild. Die Tour hatte ich vorher nicht geplant, auf gut Glück kommt dann so etwas heraus:



Die Reparatur war auch recht interessant, haben viel geredet nebenbei, einerseits gibt es mechanisch viel an meinem Instrument auszusetzen, andererseits klingt es gut, auch wenn die Stimmung schon wieder ziemlich weg war… muss wohl nochmal hin. Abends wollte ich noch zu ner Probe nach Köln, aber die erste Straßenbahn hatte nen Motorschaden, die zweite kam auch nicht pünktlich beim Hauptbahnhof an, da hatte sich die Probe. Fuhr noch einmal zurück zum Reparieren, war also von früh um acht bis abends um zehn außer Haus, hab nicht geübt, am Montag schon wenig.
Heute kaum mehr geübt, dafür Probenarbeit. Die erste Probe für Nosferatu lief gut, normale Eingewöhnungsprobleme, aber nicht zu weit weg von dem, was ich mir vorstellte. Da gibts im Orchester schon eher Resentiments gegen die Neue Musik. Nach Fachdidaktik und Ensemble-Probe dann in Köln gewesen, mit dem Professor noch einmal die Kammermusik durchgesprochen. Alle sind jetzt mit dem Ergebnis zufrieden, Freitag wirds abgeliefert bei seiner K.A.-Prüfung, dafür muss ich wieder nach Köln. Genauso wie morgen abend, da hat das StuPa seine konstituierende Sitzung. Keine Ahnung, obs interessant wird, aber da Wuppertal fünf Plätze zustehen und momentan nur drei Vertreter in diesem Organ hat, isses schon nich verkehrt, wenn ich das mal ein Semester mitmache.
Zu allem Überfluss löst sich auch noch die Sohle bei meinen Sandalen auf. Darf die einfach so wegschwimmen, nach nem knappen Jahr Benutzung nur? Also minus die Wintermonate natürlich. Ärgerlich zumindest.
Ich hoffe, ich hab nicht zu viel gespammt, wünsche eine gute Nacht.

Sonntag, 3. Juli 2011

Außer es passiert zu viel

Die Woche war gut voll. Hab einiges geübt, das meiste ist dem Ziel nahe, ein Stück macht mir momentan etwas Sorge. Dann war ich jeden Abend außer Haus: am Montag gab der Schlagzeugprofessor ein Konzert an der Hochschule, Dienstag normal smd, Mittwoch war ich zu einem leckren Abendessen eingeladen, Donnerstag Aikido, Freitag nochmal von Freunden eingeladen. Nur den Samstag blieb ich komplett zu Hause, da ich zu viel Arbeit hatte. Dafür war ich heut mal wieder im jwd. Dazu gabs bei den meisten Abenden auch ein-zwei gute Gespräche, die ich nicht online stellen will, weswegen es mir aber grad besonders gut geht. Da morgen die Prüfungszeit anfängt, ist das gar nicht so verkehrt. Nebenbei gibts dann auch typische Studentenversuche: Schimmel stirbt nicht ab, wenn man ihn in der Mikrowelle erhitzt. Achja, noch eine Begebenheit, hatte am Freitagmittag mal wieder nen Kreislaufaussetzer. War n ruhiger Morgen, dann ne Stunde entspannt bei der Alexandertechnik, plus nix getrunken: das gefiel meinem Kreislauf so gut, dass er aufhören wollte. Zumindest war das Gehirn deutlich unterfüttert, auch wenn ichs ohne Hinlegen hinbekommen habe. Achja, ich freu mich auf den Sommer, hab mir aus der Bibliothek mal Noten geholt, und auch so ein paar Ideen, was ich gern mal probieren würde… never stop dreaming. ebenso wie reflektieren. oh, und da kommt noch was: gefühltermaßen funktionieren meine Sehübungen. War mal wieder waschen und da konnte ich die hässlichen Digitalanzeigen wieder besser lesen. na denn, eine wunderschöne gute Woche wünsche ich.

Sonntag, 26. Juni 2011

Aller zwei Wochen ist ein gutes Metrum

Es geht mir gut. Immernoch. Ich hab das Gefühl, meine Produktivität gesteigert zu haben, was mir durchaus Freude bereitet. Vieles ist auf einem guten Weg, und auch wenn ich noch einiges an Wegstrecke übrig hab für die letzten drei Wochen, so ist sie durchaus schaffbar. Zwei Klassenvorspiele haben auch geholfen genauer zu wissen, was ich noch üben muss. Sonst nix passiert bis auf vorgestern abend eine Geburtstagsfeier und gestern eine Hochzeit. Hochzeit No. 2 von 5 in diesem Jahr die beiden kenne ich halb-gut, deswegen fand ichs auch schön, dass ich viel helfen durfte in der Küche und beim Programm. Streng genommen wurde es ein bisschen zu viel, nicht für mich, aber ich wollte schon aufpassen, dass ich meine innere Angespanntheit nicht auf andere übertrage. Heute war ich dann noch beim Abbau dabei und somit war es ein wirklich volles Wochenende. Den Sonntagabend muss ich mir immer frei halten, damit ich am Montagmorgen beim Hauptfachunterricht voll anwesend bin.

Heut morgen kam mir im Gottesdienst mal wieder ein netter Sinnspruch: Ich bin Optimist, ich optimiere ständig. Einer von vielen, die mir oft wieder entfallen, manchmal aber auch irgendwo in alten Aufzeichnungen begegnen und wenige bleiben permanent. Bei den permanenten hätte ich auch noch ein paar anzubieten, z.B.: Was ist das größte Geschenk an sich selbst? – Bescheidenheit. Ein Schlüsselgedanke ist auch: Adam und Eva waren fern von Gut und Böse. Was oft nicht in letzter Konsequenz durchdacht wird. Die Beiden wussten nicht, ob es Böse wäre vom Baum zu essen, da sie nicht wussten, was böse ist. Ob sie sich es vorstellen konnten, bevor sie die Frucht aßen? Also mit dem Gedanke schon vor der Tat das Böse in die Welt kam? Was heißt das für uns, wenn wir vom Paradies träumen? Dass wir nicht entscheiden sollten, was gut und böse ist? Etc.

Nächste Woche ist noch nicht so viel los, ich freu mich durchaus auch auf irgendeine Art von Kommunikation, danach kommen zwei streßige Wochen und vermutlich irgendwann danach meld ich mich auch hier mal wieder. bis denn.

Montag, 13. Juni 2011

Das Wort zum Montag

Es geht mir gut. Die zwei Wochen waren voll, zu voll um noch einen klaren Kopf zu behalten, aber mit etwas Übung legt sich das wieder. Voriges Wochenende war ich in der Heimat mit einer guten Mischung aus vorrangig Familie treffen und nachrangig Freunde treffen. Dabei war das Grundgefühl von anfang an, dass man sich viel zu selten so trifft und man ein weiteres Treffen planen sollte, wo doch mein Vater meinte, es würde das letzte in dieser Runde sein. Dieses Wochenende war ich dann auf dem Jazz-Festival in Moers. Wußte nicht, worauf ich mich einlasse, war aber überraschend positiv. Auf der einen Seite gibts eine Bühne mit durchlaufendem Programm und auch einigen guten, sowie einer für mich außergewöhnlich starken Band. Diese war allerdings speziell fürs Festival zusammengekommen, deswegen sei an dieser Stelle nur auf den kreativen Kopf hingewiesen. Auf der anderen Seite treffen sich jährlich wieder ein Haufen Punks um den Park zu verwüsten. Die Masse befindet sich irgendwo dazwischen, freut sich an den vielen (alternativen) Ständen und den noch viel zahlreicheren Spaßmusikanten auf dem Gelände, und sympathisiert oder verachtet das eine oder andere Extrem. Mir gefielen die beiden Parallelwelten und es gab auch ein paar denkwürdige Begegnungen, das soll aber nicht alles in den Blog. Abgesehen von den Wochenenden waren die Wochen dementsprechend vom Versuch geprägt, die verlorene Übezeit wieder aufzuholen. Da bleibt nur noch die Erwähnung vom Saxophonabend. Wir haben hier in Wuppertal zwar keine, da aber die zwei Kölner Säle immer belegt sind, kam die Kölner Saxophonklasse zum Konzert nach Wuppertal. Was mir außerordentlich gut gefiel, da mir das Saxophon deutlich vertrauter ist als viele andere Instrumente und die Klangvielfalt längst nicht so ausgeschöpft und verbraucht wie bei manch einem „alten“ Instrument. Ich wünsch frohe Pfingsten und dass der Heilige Geist schön fleißig ist.

Sonntag, 5. Juni 2011

Was ist Bildung?

Hier kommt nun der versprochene Post. Er ist noch nachgereicht vom längst ausgelesenen Schwanitz, allerdings fällt es mir schwer über die Gedankenanstöße daraus zu bloggen. Einerseits ist Schwanitz eigene Sicht recht platt, und ich möchte versuchen alles gleichmäßig auszuleuchten, andererseits können die Blogleser auch ganz schön weit in ihrer Ausgangslage auseinanderliegen. Draus geworden ist ein viel zu langer Text.

„Blicken wir indes auf die soziale Wirklichkeit, stellen wir fest, daß Bildung nicht nur ein Ideal, ein Prozeß und ein Zustand, sondern auch ein soziales Spiel ist. […] In den Club der Bildung wird man nur aufgenommen, wenn man das Spiel schon beherrscht; aber spielen lernen kann man nur im Club. […] Weil das Bildungsspiel ein »Unterstellungsspiel« ist. Im geselligen Verkehr unterstellt jeder dem anderen, daß er gebildet ist, und der andere unterstellt, daß ihm das unterstellt wird. […] Das Ergebnis ist, daß in der Bildung wie in der Liebe die Erwartungen unrealistisch werden, weil sie nicht überprüft werden dürfen.“ (S. 505f.)

Weiter führt er aus, dass nicht begründbar ist, was zu einer Bildung gehört, und wichtiger als das Wissen die Spielregeln sind, nach denen gespielt wird.

Dieses Kapitel hat mir geholfen in der bewussten Wahrnehmung von unbewussten Erwartungen. Natürlich weiß man sofort, wer das Spiel spielen kann, und wer nicht, die Ergebnisse des Bildungsspiels lassen sich leicht zeigen. Und gerade weil wir so intuitiv mit unserer Bildung spielen, scheint uns diese Klassifizierung eine sehr logische zu sein, denn die Beherrschung der Regeln zeigt sich ja in den einfachsten Gesprächen. All das wirkt nun leicht lächerlich, wenn man ein ganzes Buch über Bildung liest, um am Ende festzustellen, dass ein festgeschriebenes Bildungsminimum entweder sehr minimal ist oder, wenn wir von einem größeren Kanon sprechen, sehr dumm ist (Kanon ist nicht begründbar und lähmend – s.u.). Trotzdem ist Bildung ja hilfreich, oder?
Das Ideal der Bildung ist hilfreich, es verhindert die Fachidioten und begünstigt unorthodoxe Lösungen, wenn man über den Tellerrand seiner eigenen Welt sehen kann. Persönlich weiß ich, dass es glücklicher macht, wenn das Gehirn unterschiedliche Kost hat, und sich nicht um die eigenen Sorgen dreht. Bildung als Prozeß und Zustand beleuchtet zwei unterschiedliche Seiten, wobei das beständige Dazulernen betonenswert ist (macht demütig und lernbereit), wogegen der Zustand relativ gesehen werden muss, relativ zur Gesellschaft in der man sich befindet. Der Zustand des Gebildetseins löst natürlich zwangsläufig das soziale Spiel aus, dessen Nützlichkeit ich bezweifeln will.
Die Kenntnis der Regeln kann man als Nutzen auffassen, man lernt inhaltsvollen Unterhaltungen folgen zu können. Wer mit dem Etcetera-Prinzip arbeitet, muss sich nicht im Thema auskennen, sondern wird im Verlaufe des Gesprächs herausfinden, worum es geht. Dagegen lähmt die Erwartung, dass jeder gebildet ist. Denn was nützt uns gemeinsames Wissen? Nützlich ist es, wenn man beim Gespräch gemeinsame Bekannte hat (siehe da), aber wenn man nur einem aus der Gruppe die vorausgesetzten Begriffe erklären muss, dauert es wieder länger. Als zweites Argument spricht gegen den Kanon, dass es eine Diskussion lähmt, wenn alle die gleichen Bücher oder gleiche Medien konsumieren. Ich halte den Schulunterricht für sinnvoller, wenn in einer Schulklasse jeder ein anderes Buch des selben Autors liest. Theoretisch könnte ein Lehrer sich dann für ein-zwei Stunden zurückziehen, selbstständiges Austauschen und Lernen wäre möglich. (Gleiches Prinzip auf der nächsten Cocktail-Party.) – Leider funktioniert es nur in der Theorie, da Schule als Arbeit gehändelt wird, und keiner übermäßig arbeiten will. Dass der eine nur kurze Prosa liest, der andere aber Epen, kann man unter den Bedingungen keinem schmackhaft machen, obwohl gerade das eine Betonung der Individualität wäre. Ein Ziel, das die Schule leider nicht verfolgt und somit den Musiksendern und den Jugendmoden überlassen hat. Wir sind zwar nicht zwangsläufig Epigonen, aber doch Kinder unserer Zeit. – Wer bei diesem Satz die Kehrseiten von angewandter Bildung spürt, sollte sich nicht ärgern. Online kann man das Problem prima umgehen, z.B. indem man auf wikipedia verlinkt, auch wenn ich gegen ebendiese nun leichte Ressentiments habe.
Was kann man aus der theoretischen Abhandlung lernen? Ich meine, Bildung ist gut, Kanon und Erwartung derselben nicht. Das gesellschaftliche Spiel und die Klassifizierung kann man eh nicht unterbinden, deswegen sollte man sie sich bewußt machen. Suche die Bildung, die dein Gesprächspartner hat, nicht diejenige die du voraussetzen würdest. Es gefällt nunmal nicht, auf seine Unbildung aufmerksam gemacht zu werden, weil dahinter gleich der Anspruch eines verpassten Kanons steht. Selbstverfreilich sollte man sich weiterbilden, eventuell aber bevorzugt dort, wo andere es nicht tun. Ein Bildungsspiel ohne Bildungskanon zu spielen ist schwer, aber nicht unmöglich und vorallem – lohnenswert.

Montag, 30. Mai 2011

Klartext

So. Da wär mer wieder. Schließlich gibt es ja doch noch die ein oder andere treue Seele, die sich für mein Leben interessiert – wobei ich nicht gern jemanden als untreu klassifizieren würde. Was mir dabei in letzter Zeit oft durch den Kopf geht, ist 2. Samuel 22, 26+27: „Gegen die Heiligen bist du heilig, gegen die Treuen bist du treu, gegen die Reinen bist du rein, und gegen die Verkehrten bist du verkehrt“. Sehr interessante Aussage, auch wenn ich sie in Bezug auf das Neue Testament relativieren würde. Wer sich dafür interessiert: Ich bin momentan in der 2. Chronik angelangt mit einem recht zügigen Tempo, drei oder vier Verse pro Tag sind keine Seltenheit. Weiterhin lerne ich auch spanisch und hab seit letzter Woche wieder die Tschechischvokabeln aufgenommen. Das ganze per elektronischem Karteikartensystem, unterstützt vom google-Übersetzer, um zusammenhängende Sätze zu üben, und von Rescate und Pranic, die auch sehr helfen beim Lernen.
Dann übe ich momentan für fünf Zwecke: Das Unwichtigste ist das Akkordeon-Ensemble. Zwei Viertsemester und zwei Zweitsemester sind wir und haben wenig Lust dafür zu üben, und es hängt auch nichts davon ab, wie wir spielen. Der Tango von Piazzolla ist aber interessant, weil er sich gegen die Erwartung sperrt. Das nächste ist meine Zwischenprüfung. Ich spiele drei Werke, die ich schon letztes Jahr zum Hochschulwettbewerb gespielt habe, möchte sie dieses Mal „nur“ besser spielen. Aber hier setzt sich meine ungeheure Motivation fort: Zwar gibt es eine Note darauf, aber wenn man sichs genau betrachtet, zählt sie recht wenig fürs Endergebnis. Gut wird sie sowieso, also warum sollte ich mich besonders anstrengen, damit sie sehr gut wird? Da ist mir mein Zusammenspiel schon wichtiger. Ich hab dieses Semester Kammermusik mit einem Saxophon, was mir immer wieder Spaß macht, auch wenn die erste Probe mit dem Professor eine kleine Dämpfung der Freude war. Dafür gibts jetzt gut zu üben. Und da ich den Saxophonisten in seiner KA-Prüfung begleite, ist das natürlich wichtiger, als meine eigene Prüfung. Und zu guter letzt gibt es da noch das Stück mit Sinfonieorchester, das am Besten werden muss. Kurz schrieb ich über all das schon, aber was ist das fünfte? Nun, mein voraussichtlich letztes Semester am Vibraphon. Normalerweise muss man nach vier Semestern auch im Nebenfach eine Prüfung ablegen, und bekommt dann darin keinen Unterricht mehr. Nur bis jetzt hat die Hochschulleitung es vertrant die Prüfung anzusetzen, mal schauen, was das wird.
Feste Termine sind immer noch dienstags SMD, inzwischen regelmäßig mit Abendbrot vorher, donnerstags Aikido, auch das regelmäßig mit Kneipenbesuch nachher und sonntags die Heckinghauser Brüdergemeinde mit danach ebenso regelmäßigem Mittagessen, allerdings bei wechselnden Gastgebern.
Nich so fest waren in letzte Zeit: Letztes Wochenende zwei Konzerte meines Kollegen Kr. in Köln, bei denen jeweils einige aus der Akkordeonklasse da waren als Unterstützung. Davor die Wochenenden eine chinesische Taufe (also eigentlich acht oder neun Taufen in einer chinesischen Gemeinde) und eine chinesische Hochzeit, allerdings nach deutschem Vorbild (in China wird dann nochmal chinesisch gefeiert). Dann kam an nem Freitagabend auch mal ein Freund mich hier besuchen, immerhin der sechste Gast in meiner Wohnung bislang. Ab und zu bin ich mittwochs noch bei einer Bandprobe, außerdem besuchte ich zwei Konzerte in der Wuppertaler Hochschule in der letzten Zeit. Obendrein half ich diese Woche einem Freund bei seiner Diplomarbeit mit Korrekturlesen. Und wenn dann nicht noch abends Freunde online sind und mich anchatten – dann hab ich doch noch einige Abende hier, wo ich zu Hause bleibe und anders als in der Heimat, auch ganz froh darüber bin. Denn schließlich wollte ich diese Woche ausschlafen und so recht tat es mir nicht gelingen – Donnerstag und Freitag waren keine guten Tage, Samstag dann gelang es mir einmal mitm Ausschlafen. Und inzwischen bin ich doch müde geworden über den Eintrag, ich hab auch das Gefühl, dass ihr wieder ausreichend wisst, was bei mir so vorgeht, den Rest würdet ihr vielleicht irgendwann in persönlichen Gesprächen erfahren, momentan erschließt sich mir grad einiges durch das Lesen des AnTs. Ick wünsch euch nen guten Start in die Woche, man schreibt sich.

P.S.: Zu allem Überfluß verpflichte ich mich hiermit noch zu einem weiteren Eintrag die Woche. Sonst wirds wieder nicht.

Montag, 9. Mai 2011

Endlich

komm ich zum nächsten Post. Muss aber heute auch sein, da ich das erste Mal bei der Blutspende war. Das wär nich außergewöhnlich genug, aber ich hab dabei bemerkt, dass mein Kreislauf immer noch wegklappen kann unter besonderen Umständen. Ne Dreiviertelstunde nach der Blutabnahme konnte ich dann rausgehn. Dafür hab ich zweimal essen bekommen, einmal vorher, weil ich zu lang nix gegessen hatte, und einmal nachher, weil mein Kreislauf nicht hochkam. Kam mir beim zweiten Abendbrot dann nich so vor, als hätt ich vor ner Stunde schon was gegessen.
Wo wir schon bei Schwächen sind, ich stell auch ne anfangende Sehschwäche bei meinem rechten Auge fest, gut bemerkbar gegenüber dem linken, guten Auge.
Seit Samstagabend hab ich nun einen ausführlichen Übeplan, nachdem die letzte Woche nur mäßig war, ich aber wirklich genügend vor hab in den nächsten zehn Wochen. Es sind nur noch zehn… das Wichtigste dabei ist Nosferatu. Zum Stummfilm werde ich mit dem Sinfonieorchester Wuppertal die Musik dazugeben, das Konzert ist am 13.07. Und es gibt gut Geld, da sollte auch gut geübt sein. Das zweitwichtigste ist mir die Duoarbeit mit einem Saxophon, dann kommt die Solo-Zwischenprüfung und irgendwo ganz hinten das Akkordeon-Ensemble. Alle Prüfungen sind in der einen Woche, da wirds echt lustig.
Was ich immer wieder faszinierend finde, sind Körperlehren im weitesten Sinne. Eine Sache, die ich momentan üben muss, ist den Balg mit viel Kraft langsam zu ziehen. Also stellt euch vor, der Arm ist im ersten Gang, ihr bewegt ihn kaum merklich langsam nach links, aber mit so viel Kraft, dass egal was daran zerrt, er nicht vom Weg abgebracht werden kann – ist ein merkwürdiges Gefühl und unheimlich anstrengend anfangs. Das Gegenteil dazu ist Alexandertechnik, wo ich mich versuche zu entspannen, was eher dem Singen zugute kommt. Letztes Mal hatten wir ne gute Übung für den Kiefer, daraufhin stand ich überall mit offenem Mund rum, um zu überprüfen, ob ich meinen Kiefer wieder so locker hinbekomme.
Dieses Semester lese ich nicht mehr so viel, nur Bonhoeffers „Gemeinsames Leben“ und die Bibel, momentan inmitten dem ersten Buch der Könige. Aber ich hab noch aus dem letzten Semester zwei Nachträge, die ich euch nicht vorenthalten möchte, hier kommt der erste:

Momentan (Anfang Februar) lese ich Dorian Gray, was sehr interessant ist. Vorher wußte ich nur, dass Wilde einer der wenigen bekannten Schwulen dieser Zeit war, das Buch aber ist fabelhaft. Fabelhaft schrecklich. Es lenkt den Blick stetig auf das lüsterne und frevelhafte Leben, ohne es aber zu glorifizieren, nein, Dorian nimmt deutlich Schaden dadurch. Es deswegen zu empfehlen, würde mir trotzdem nicht einfallen, da der Fokus auf dem Schlechten liegt; voran bringt einen meist die Betrachtung des Guten. Als Abschreckung ist das Buch aber bestens geeignet, zumal es im Resümee die Sittenlosigkeit verklagt. Zudem zieht sich eine interessante Diskussion durch das Buch um Schönheit, Sinnlichkeit, Kultur, Fassade, und natürlich Frauen. Allerdings überwiegen die bösartigen (sarkastischen und sadistischen) Argumente deutlich gegenüber den angemessenen; also muss man selbst die geeignete Antwort auf die Lektüre finden. Trotz alledem ein faszinierendes Buch.

Samstag, 30. April 2011

drei Wochen

ists schon wieder her, dass das Studium anfing. Geübt hab ich in der Zeit noch nicht allzu viel, und auch heute hab ich noch keine Muße und schreib stattdessen lieber nen Blogeintrag…

Vor zwei Tagen hielt ich das Referat über Gluck. Da ich kaum Vorwissen hatte, weder über Gluck noch über die Oper im allgemeinen, musst ich mich in einiges hineinlesen und hab dementsprechend die zwei Wochen vorher genutzt – nicht zum Üben. Das Referat war dann aber auch sehr gut, halbwegs frei, stilistisch hochtrabend und vorallem gut im Stoff. Halbwegs frei, da ich mir zwar komplette Sätze ausformuliert hatte – das letzte Referat mit Stichworten ging schief – aber in denen die Stichworte markiert hatte, und zu guter letzt den Text so gut kannte, dass ich doch nur Satzanfänge abgelesen habe. Stilistisch hochtrabend, weil werte Frau Mama auch bei einem mündlichen Vortrag durchaus auf gehobeneres Deutsch wert legt, und ich mit ihr den ganzen Text am Vorabend einmal durchging. Was auch zur Folge hatte, dass ichs nicht von Textblättern ablas (keine Zeit mehr zum Ausdrucken), sondern vom Laptop, der stand wiederum auf einem Notenständer als Pult – höchst praktisch, auch um seine Hände irgendwohin abzulegen. Vermutlich als finales Schlußwort erübrig bleibend sich nur: „Ich bin begluckt“.

Und sonst… hatte ich nen guten Studiumsstart. Ich hab mich spät angemeldet, bin aber in der Alexandertechnik-Gruppe. Neben dem Seminar Musikgeschichte bin ich freiwillig auch noch bei Literaturkunde am Donnerstag. Und vorgestern abend war ich das erste Mal bei Aikidō, an dem ich wohl das ganze Semester teil nehmen werde; es ist auch eine nette Gruppe, die sich nachher noch zusammensetzt und sonst in der Freizeit auch öfters was gemeinsam unternehmen. Gestern ging dann ein Tag für nen Umzug drauf. Bei der smd essen wir neuerdings zusammen bevor der Abend anfängt. Die Sonne scheint schon relativ lang und relativ stark, bis auf ein paar Wolkenbrüche, Gewitter und Hagel ist hier recht sommerliches Wetter. Über Ostern war ich auf der studikon, was sich auch in jeder Hinsicht gelohnt hat. Mir gehts gut, ich sollte nur langsam mal anfangen zu üben…

Samstag, 16. April 2011

Arienparodie

Das Semester hat wieder angefangen und ich würde gern ein paar Notizen dazu loswerden, vorerst habe ich aber an einem Referat zu arbeiten. Was mich seit meinem letzten Referat schon etwas ängstigt, das letzte war in Englisch und war sehr in den Sand gesetzt von mir. Nun, das nächste über Christophus Willibaldus Gluck und seine Opernreform wird nicht gerade leichter von Länge und Anspruch. Da ich aber grad bei der Lektüre einen netten Absatz über eine Opernsatire fand, wollte ich den gern mal abtippen:

„Da wird etwa, wie in der folgenden Arie, einer der geheiligten Stützpfeiler der ernsten Oper, die Abgangs-Gleichnis-Da-capo-Arie, auf dreierlei Weise verspottet: mit einem Text voll blühenden Unsinns, mit der Feststellung des Sängers, dass er ohne Arie nicht abgehen kann und mit dem Ersetzen des Da-capos durch einen flehentlichen Appell an die Souffleure:

Ich gehe also – ach nein, erst noch die Arie.
Die Hirtin, wenn sie
im Gras eine Eidechse sieht,
verbirgt sich und ist auf der Hut,
bis sie sie gefangen hat.
Wenn sie sie dann in ihrer Gewalt hat,
verschmäht und verachtet sie sie,
oder tötet oder streichelt
oder lässt sie frei.
Da er die Worte vergessen hat, mit denen der erste Teil der Arie für das Da-capo beginnt, singt er statt dessen:
Sagt mir vor, sagt mir vor,
sagt mir um Himmels willen vor!“

(aus: Christoph Willibald Gluck und seine Zeit, S. 42)

Samstag, 12. Februar 2011

Das mach ich mit links

Dacht ich mir so. Und fing beim Zähnebürsten an. Schnitten schmieren sieht auch ok aus, inzwischen. Beim Rasieren hilfts auch. Nur mit dem Schreiben tut se sich noch etwas schwer, aber vielleicht wird auch das noch.
Gestern abend wars Akkordeonkonzert. Meine Laune war den Tag über sehr gut. Dann gabs ein Ermattungsloch um sechs Uhr abends, hab mich hingelegt und langsam wieder meinen Körper unter Kontrolle gehabt. Das Konzert war dann sehr gut, sowohl Duo als auch Solo. Auch die anderen Beiträge waren (fast) alle sehr gut, nur das Programm war deutlich zu lang. Halb acht fing das Konzert an, nach zehn waren wir erst fertig. Inzwischen gibt es einen Erstsemester Kr., der deutlich besser spielt als alle anderen, halt in der internationalen Wettbewerbsliga. Unsere beiden Masterstudenten könnten das wohl auch, sind aber inzwischen zu sehr mit dem Leben beschäftigt, was nichts Gutes verheißt für ihre Prüfung in einem Monat. Tja, und ich… bin zwar noch besser als die anderen, deutschlandweit auch wettbewerbsfähig, aber bis zu Kr. ist es noch ein Stück. Wobei ich das Gefühl habe, dass ichs schaffen würde, wenn ich höhere Anforderungen hier hätte und mich konsequenter dem Üben verschreiben würde. Allerdings ist mein Fokus ja nicht voll auf die solistische Karriere ausgerichtet, und das find ich auch sehr sinnvoll. Netterweise bestätigte die Familie unter mir diese Woche, dass ich genug geübt habe… sie zog aus.
Mit dem Rest des Wintersemesters bin ich ganz zufrieden. Nicht mit allem, aber mit meinen Entdeckungen diese Woche. Das Studium der Jazz-Harmonielehre hat sich gelohnt. Da sich Gehörbildung, Ringvorlesung und jenes Buch gesondert mit dem Thema Melodie beschäftigten, bin ich darin wohl am Weitesten gekommen, hatte wohl aber auch wenig Vorkenntnisse. Auch stimmlich bin ich treffsicherer geworden, was mich überrascht hat, dass ich da eindeutig Fortschritte feststellen konnte. Aber wie schon gesagt, das Thema Melodie war präsent in letzter Zeit, genauso war die praktische Seite recht umfangreich durch den Chor. Letzten Sonntag führten wir mit diesem und natürlich mit Orchester und Solisten den „Messias“ von Händel auf. Was sich streckenweise mehr nach Ausdauersport anfühlt, als nach bewußtem Singen. Wonach es aber natürlich keinesfalls klingen darf. Macht trotzdem eine Heidenfreude (wobei messianische Juden sich mitfreuen dürften), die Lieder gingen mir auch die nächsten Tage nicht ausm Kopf, irgendwann will ich den mal wieder singen. Achja, einen Einsatz hat der Tenor verpatzt, aber da schlief der ganze Chor bei der schönen Bass-Arie vorneweg…
Und sonst so… gehts gut. Hab mit der smd und der Barmer Gemeinde hier auch geistlich ein zu Hause gefunden. Freu mich aber auch auf zu Hause und auf die akkordeonfreie Zeit, allerdings nicht deswegen. Ein bisschen merkwürdig isses, seit Jahren das Akkordeon mal wieder zur Reparatur abzugeben, und das dann für fünf Wochen. Bleibt Zeit für anderes. Wird schnell genug weg sein. Nun denn, wenn keine Buchrezension mehr kommt, wünsch ich euch ne schöne, für Studenten auch entspannte Zeit, Ende März bin ich zu ner Prüfung in Wuppertal, und dann gehts ab April hier weiter. Bis denn.

Donnerstag, 10. Februar 2011

My tea can



Gestatten: Meine Teekanne. Normalerweise arbeitet sie bei mir täglich an der Warmhaltung des Tees; auch wenn das manchmal eine unmögliche Aufgabe ist, bis ich den letzten Schluck Tee genommen habe. Letztes Wochenende hat sie aber ein Praktikum bekommen, mit dem sie sich zukünftig einen Nebenjob verdient hat. Als Bügelglas. Für Taschentücher und T-Shirts ist sie durchaus geeignet. Nur mit dem Hemd tat sie sich etwas schwer, aber das ist beim ersten Hemd ja nichts ungewöhnliches.

Das Leben ist schön!

Montag, 31. Januar 2011

Kurzmeldungen vom Januar

Am 15. war Klassenstunde. Nach einer guten Übewoche, sehr gut gelaufen, obwohl ich nicht auswendig spielen konnte vor Publikum. Programm ist derzeit Bach und Scarlatti (möglichst auswendig), Aho (sehr modern) und von Lundquist das Duell für Schlagzeug und Akkordeon.
Letzteres spielten wir am 18. öffentlich und verrissen es. Das Publikum fands trotzdem gut, obwohls wirklich schlecht war. Lustig, wie mein Duopartner Jo. sich an dem Abend noch ewig lang drüber aufregte, was wir alles verrissen haten, da kann ich sowas schneller abhaken. Warn natürlich noch ne Stunde oder zwei im Café Moritz.
Vom folgenden Tag berichtete ich schon.
Am 21. war SMD-Mitarbeitertreffen. Noch hab ich die Richtlinien nicht unterschrieben, werds wohl aber tun, und auch gleich als Kassenwart einsteigen. Der Abend war sehr schön, auch geistlich eindeutig ein zu Hause.
Am 26. das letzte Mal Ringvorlesung. Thema: Melodien in der Neuen Musik. Vortrag: Recht schlecht, aber mit interessanten Gedankenanstößen zur Frage, was Melodie eigentlich ist. Wer kann einen guten Lexikon-Eintrag über Melodie finden?
Am 28. interessante Alexandertechnik-Stunde gehabt. Werd wohl noch öfters ordentlich sitzen, auf- und stehen üben müssen. Am Abend dann ein gutes Konzert der Masterstudenten der Posaunenklasse. Anschließend kleinen Abendspaziergang gehabt und noch bei Jo. und Ph. eingekehrt. Kurz nach Vier den Nachtbus zurückgenommen, dementsprechend spät und verkatert war auch der folgende Samstag. Abend war trotzdem sehr interessant gewesen.
Am 30. abends sehr gutes Konzert vom djo gehört. Gustav Holsts „Planeten“ sind klasse, qualitativ auch gut gespielt. Nur Beethovens „Pastorale“ im ersten Teil kann ich wenig abgewinnen, zumindest als Konzertstück, dem man lauschen möchte. Der Dirigent war dazu mir zu unruhig für so eine ruhige Sinfonie.
Gelesen in der Zeit: Rinser: „Gefängnistagebuch“, Schweitzer: „Aus meiner Kindheit und Jugendzeit“, 2 brand.eins-Magazine, Wilde: „Dorian Gray“ zu 2/3, Sikora: „Neue Jazz-Harmonielehre“ zu 1/3, 3. Buch Mose 2. Hälfte und 4. Buch Mose.
Gesehen: 3 Filme von Helge Schneider, die grad kostenlos und legal abrufbar waren.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Ein Beispieltag

Guten Morgen Lieber Leser,

vorhin dacht ich mir, ich könnt mal wieder etwas detaillierter schreiben, wie der Tag verlief. Anfangs schrieb ich ja alles Neue auf, bis es irgendwann Alltag wurde und nur noch Buchrezensionen übrig blieben. Trotzdem hat sich natürlich im dritten Semester etwas am Alltag getan, er ist freier geworden, wofür der heutige Tag exemplarisch passt.

Aufgestanden bin ich wohl gegen zehn. Hab schon wieder ne leichte Erkältung mitgenommen, wollte aber fit sein, hab deswegen zwei Tage ausgeschlafen, d.h. keinen Wecker gestellt. Wurde aber irgendwann zwischen neun und zehn das erste Mal halb wach. Der Vormittag war unspektakulär, hab gefrühstückt, Bibel gelesen (bin mit dem dritten Buch Mose nun fertig) und hab mich an Frank Sikoras „Neue Jazz Harmonielehre“ gesetzt. Klasse Buch. Hab heute im Kapitel Gehörbildung angefangen und wieder einige interessante Ideen und Übungen bekommen, darüber verging einige Zeit. Anschließend hab ich dann aufm Akkordeon ein älteres Werk gespielt und harmonisch analysiert, bin aber nicht sehr weit gekommen bis es eins war. Da hör ich meistens mit Üben auf (weiß ja nich, ob irgendwer sich doch mal für Ruhezeiten interessiert) und geh in die Mensa. Auf dem Weg immernoch ein paar Lieder gesungen und recht kurz auch die Zunge trainiert – noch hoffe ich irgendwann das Zungen-R zu können. Mittagessen war lecker, bis auf die Gurken, die mal wieder wesentlich zu viel Essig abbekommen haben. Für Fachdidaktik ein Lehrbuch durchgesehn, dann aber nicht Vibraphonüben gegangen, sondern ne halbe Stunde noch gekickert. Hab momentan nicht so viel Lust aufs Vibraphonüben, einerseits weil der letzte Unterricht vor Weihnachten war, andererseits weil zu viel andere Dinge (wie die Harmonielehre) mir grad wichtiger sind. Dann von drei bis halb 5 Fachdidaktik gehabt, anschließend erstmals bei der Ringvorlesung in Köln gefehlt. Stattdessen nach Hause gegangen, Zeit etwas vertrödelt, aber auch endlich etwas, nicht viel Akkordeon für den Unterricht geübt. Bemerkt, dass das moderne Stück mich momentan überhaupt nicht reizt, obwohl es die nächsten anderthalb Wochen oberste Priorität hat. Mist. Ein brand.eins-Heft ausgelesen. Und dann schon wieder Abendbrot gemacht und gegen sieben wieder aufgebrochen zu nem Konzert (weswegen ich Köln ausfallen ließ). – Ich hatte letzten Sonntag meine Chorpflicht absolviert bei nem Studentenkonzert mit dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. Dabei war ich krank, nicht in den Proben gewesen (Aushang übersehn) und stand allein im Tenor, anfangs, dann kam noch einer aus dem Chor der Kantorei Barmen-Gemarke. Danach fragte der Leiter, ob wir beiden nicht am Mittwoch noch das Solistenensemble unterstützen könnten, es fehlte im Tenor noch, auch wenns keine Pflicht wär. – Heute war ich dann immernoch krank, hab trotzdem mitgesungen, lustigerweise warens außer uns beiden nur Studenten der Gesangsklasse. Bin aber zufrieden, wenn auch nicht glücklich mit dem Auftritt. Der Rest des Konzerts war schön anzuhören. Anschließend gabs noch ne Rose und dann gings nach Hause. Auf dem Weg zum und vom Konzert las ich übrigens Luise Rinsers Gefängnistagebuch. Interessante Lektüre, aber nicht rezensionswert. Zu Hause stellte sich die Frage, wie ich die Rose hinstellen könnte, hab aber ne gute Lösung gefunden:




Und nun fall ich ziemlich müde wieder ins Bett. Exemplarisch ist der Tag vorallem dadurch, dass ich heut wenig Akkordeon übte (keine Stunde für den Unterricht), und doch ich mich die meiste Zeit des Tages mit Musik beschäftige. Normalerweise übe ich 5 Tage die Woche Vibraphon mit ner dreiviertel Stunde und Akkordeon nicht unter zwei Stunden 6 Tage die Woche, aber abseits dessen, gibt es so viel zu entdecken…

Gute Nacht!

Samstag, 8. Januar 2011

Schweitzer (5)

Die Feierzeit hats pausieren lassen, nichtsdestotrotz wollt ich die Reihe noch vollenden. Und das Buch möglichst in der Heimat lassen und nicht wieder mitnehmen. Also noch ein Post mit den letzten Bruchstücken.

Durch den ersten Weltkrieg wurde Schweitzer zum Kriegsgefangenen, da er ja als Elsäßer in einer französischen Kolonie arbeitete. So wurde er zurück nach Europa in ein Gefangenenlager geschickt. „Als Arzt gewann ich Einblick in das vielfache Elend, das im Lager herrschte. Am schlimmsten waren diejenigen daran, die psychisch unter der Gefangenschaft litten. […] Sie hatten nicht mehr die seelische Kraft, sich zu beschäftigen. […] Wer einigermaßen gesund und frisch blieb, dem bot das Gefangenenlager mancherlei Interessantes dadurch, daß in ihm Menschen aus vielen Völkern und fast allen Berufen anzutreffen waren. […] Um sich zu bilden brauchte man im Lager keine Bücher zu lesen. Für alles, was man wissen wollte, standen einem sachkundige Menschen zur Verfügung. Von dieser einzigartigen Gelegenheit zu lernen habe ich reichlich Gebrauch gemacht“ (S. 156f). Faszinierend für mich.

Schweitzer studierte mit 30 bis 37 Jahren Medizin in der Hoffnung bei der Pariser Missionsgesellschaft sich als Arzt anbieten zu können. Er sammelte auch Spenden für seine Reise und die Errichtung seines Spitals, stand aber vor einem Problem: Die Missionsgesellschaft hielt nichts von seiner historisch-kritischen Theologie. „Man beschloß, mich vor das Komitee zu laden und ein Glaubensexamen mit mir anzustellen. Darauf ging ich nicht ein, mit der Begründung, daß Jesus bei der Berufung seiner Jünger von ihnen nichts anderes verlangt habe, als daß sie ihm nachfolgen wollten. Auch ließ ich dem Komitee sagen, daß nach dem Worte Jesu ›Wer nicht wider mich ist, der ist für mich‹ eine Missionsgesellschaft nicht recht daran täte, wenn sie einem Mohammedaner, der sich ihr anböte um ihre kranken Schwarzen zu behandeln, abwiese“ (S. 106). In den Dienst kam er trotzdem, indem er jedem Mitglied einen Besuch abstattete und ihnen versprach nicht predigen, sondern nur behandeln zu wollen. Ein Mitglied des Komitees erklärte daraufhin aber seinen Austritt.

Über sein Vorhaben redete er mit nur einem Freund, bis er sich absolut sicher war, diesen Weg einschlagen zu wollen. Als er es dann mit Briefpost allen mitteilte, machten viele ihm Vorwürfe, dass er sie nicht vorher eingeweiht hätte in seinen Plan. „Daß theologische Freunde sich darin besonders hervortaten, kam mir darum so ungereimt vor, weil sie alle wohl schon eine schöne oder sehr schöne Predigt darüber gehalten hatten, daß der Apostel Paulus sich seinem Worte im Galaterbrief zufolge für das, was er für Jesum tun wollte, nicht zuvor mit Fleisch und Blut besprochen habe“ (S. 82). Interessante Einstellung. Mir zu radikal, diese Stelle auf sich selbst zu übertragen.

Noch ein Nachtrag zur historischen Forschung: „Tatsächlich ergibt sich aus den Werken der Bestreiter der Geschichtlichkeit Jesu also, daß die Annahme seiner Existenz tausendmal leichter zu erweisen ist als die seiner Nichtexistenz“ (S. 118). Den Absatz fand ich schön zu lesen. Auch wenn er damit nur die Existenz, nicht sein Wirken meint.

Am Schluß des Buches kommt noch ein längerer Epilog in dem er verschiedene Gedanken zu den Zuständen seiner Zeit los wird – etwas durcheinander, aber immer noch aktuell und zu empfehlen. Mal wieder ein Kapitel, wo ich nicht weiß, was ich zitieren soll, da vieles sich anbietet.
„Das Christentum bedarf des Denkens, um zum Bewußtsein seiner selbst zu gelangen. Jahrhundertelang hatte es das Gebot der Liebe und der Barmherzigkeit als überlieferte Wahrheit in sich getragen, ohne sich auf Grund desselben gegen die Sklaverei, die Hexenverbrennung, die Folter und so viele andere antike und mittelalterliche Unmenschlichkeiten aufzulehnen. Erst als es den Einfluß des Denkens des Aufklärungszeitalters erfuhr, kam es dazu, den Kampf um die Menschlichkeit zu unternehmen. Diese Erinnerung sollte es für immer vor jeglicher Überhebung dem Denken gegenüber bewahren. […] Gegen die Erneuerung der Tortur (i.e. polizeiliche Folter für Geständnisse) lehnt sich das heutige Christentum nicht einmal in Worten, geschweige denn in der Tat auf, wie es auch den modernen Aberglauben kaum bekämpft“ (S. 213). Wohlgemerkt: 1931 geschrieben.

Noch aktueller empfinde ich seine Worte zum Skeptizismus. „Verzicht auf Denken ist geistige Bankrotterklärung. Wo die Überzeugung aufhört, daß die Menschen die Wahrheit durch ihr Denken erkennen können, beginnt der Skeptizismus. Diejenigen, die daran arbeiten, unsere Zeit in dieser Art skeptisch zu machen, tun dies in der Erwartung, daß die Menschen durch Verzicht auf selbsterkannte Wahrheit zur Annahme dessen, was ihnen autoritativ und durch Propaganda als Wahrheit aufgedrängt werden soll, gelangen werden.
Die Rechnung ist falsch. […] Die Masse selber bleibt skeptisch. Sie verliert den Sinn für Wahrheit und das Bedürfnis nach ihr und findet sich darein, in Gedankenlosigkeit dahinzuleben und zwischen Meinungen hin- und hergetrieben zu werden“ (S. 200). „Die Saat des Skeptizismus ist aufgegangen. Tatsächlich besitzt der moderne Mensch kein geistiges Selbstvertrauen mehr. Hinter einem selbstsicheren Auftreten verbirgt er eine große geistige Unsicherheit“ (S. 199).

„Von mir selber weiß ich, daß ich durch Denken religiös und christlich blieb“ (S. 214).