Das letzte Semester verschwand ohne einen weiteren Eintrag. Sehr charakteristisch für die Beschleunigung innerhalb des Studiums. Folgerichtig befinde ich mich jetzt also in der angekündigten Auszeit. Und denke, manches könnte man doch nachtragen, auch wenn ich sonst nicht sonderlich nachtragend bin. Mal schauen, was daraus wird.
Fangen wir mit dem erfreulichsten an, Mitte Mai und Mitte Juni war ich bei Hochzeiten. Die eine war von meinem Bruder, bei der anderen wäre ich nicht eingeladen gewesen, hätten wir nicht eine Band auf die Beine gestellt. War ein sehr kurzer, aber guter Ausflug Richtung Rock / Pop, die Musiker waren gut, der Anspruch bleibt da eher gering.
Ebenso erfreulich ist, dass ich das Studium abgeschlossen habe. Zuerst stand eine kleine schriftliche Arbeit an, für die ich in der letzten Woche einige Tage die Bibliothek bewohnt habe. Vom Umfang waren es nur zwölf Seiten, einiges an Analyse darunter, aber ich wollte es halbwegs wissenschaftlich fundiert haben und wissenschaftliche Recherche frisst mir viel zu viel Zeit. Deswegen hatte ich es auch bis zuletzt herausgeschoben…
Außerdem gab es noch ein Konzert im Juli, auf den September komme ich später. Ich hatte das Glück, dass das Konzert eine Woche verschoben wurde. So war es zwar unmittelbar vor meiner Wohnungsauflösung am folgenden Wochenende, aber davor war das Üben etwas entspannter und ich konnte mir einige Prüfungen meiner Kommilitonen anhören. Das führte die Statistik zu einem krönenden Abschluß: 32 7 14 8 16 20 27 33. In etwa sollte das die Anzahl der Konzerte und Prüfungen je Semester sein.
Wo wir schon die Wohnungsabnahme ansprachen: Gott sei Dank! für diesen letzten Hausmeister, den ich hatte, der sehr vernünftig war und nichts beanstandet hat, wo auch keine ungewöhnliche Abnutzung war.
Zurück zum Konzert, was eigentlich die Kernmodulprüfung war, aber wenigstens ein paar Zuhörer fanden sich ein. Es war toll! Die Aho-Sonate hat mir ziemlich viel abverlangt. Die Alten Meister sind auch nicht mein Spezialgebiet. Dafür war die Kammermusik ein sicherer Hafen. Wir hatten schon zu ihrer Prüfung zusammengespielt, daher mussten wir kaum etwas proben auch an den neuen Stücken nicht. Und zusätzlich hab ich zum Abschluß des Programms eine Szene gemacht: im letzten Lied vor dem letzten Refrain erschoß sie ihren Liebhaber, mangels anderer Personen auf der Bühne also mich. Ich hatte mich vorher schon runter auf den Bühnenrand gesetzt, konnte daher nach hinten umkippen und im Liegen weiterspielen. Beim Proben hatte ich regelmäßig Lachanfälle bei der Vorstellung, wie irritiert mein Lehrer und andere Akkordeonisten sein werden. Beim Auftritt konnt ichs mir grad so verkneifen.
Kommen wir nun noch zu weiteren Auftritten im Semester. F., einen Sänger, durfte ich bei einem Lehrerkonzert an der MuSchu begleiten. Das Filmprojekt ging in eine zweite Runde, dieses Mal mit weniger Teilnehmern, dafür mit besseren Absprachen. Bald bekamen die Proben eine Eigendynamik auch ohne den Professor und am Ende waren viele begeistert von der Aufführung, O-Ton des Profs: Ich denke sogar, dass ich eine bessere Filmmusik zu dem Streifen noch nicht gehört habe. Weiter ging es auch im Duo mit Enrico, es fand sich endlich ein Name fürs Duo: Phoneon. Soweit ich sehe, hatten wir aber nur einen Auftritt bei der Brüdergemeine Köln. Bei dieser spielte ich später auch zum Sommerfest einige Choräle, am gleichen Tag wie unser Klassenabend. Bei diesem konnte ich u.A. endlich mit Cello auftreten, das Intermezzo von Yun bereitete mir viel Freude. Ein wichtiger Auftritt fehlt noch, beim Sommerfest der Hochschule zeigte sich endlich mein wahres Gesicht… angestoßen vom Geigenprof, komplettiert mit einem Cello-Dozenten und einem Gitarren-Studenten fand sich unsere vierköpfige Zigeunergruppe um vier Schlager zum Besten zu geben. Die Aufmachung war super witzig, mangels überzeugender Kleidung ging ich barfuß und schmierte mir vorher noch etwas Erde obenauf. Die Stücke waren allerdings sehr anspruchsvoll, dass ich heilfroh war, als es vorbei war. Anschließend hatte ich richtig Laune aufs Sommerfest, leider konnte es nicht ganz an seinen Vorgänger heranreichen. Getanzt wurde trotzdem.
Zum Abschluss noch drei andersartige musikalische Ereignisse. Zum einen sang ich Ende Juni noch zwei Konzerte mit der Kantorei. Beides mal die überaus schöne „Petite Messe solennelle“ von Rossini. Insbesondere die Benedictus-Zeile im Sanctus hatte es mir angetan und die nächsten Tage sang ich sie vor mich hin, so oft es ging. Gerade der Wiegenlied-Charakter war recht eingängig und im Hinblick auf Jesus nicht abwegig gewählt, wie ich finde. Als nächstes ist noch ein Opernbesuch zu nennen. Da wir in Musikgeschichte Wagner behandelten, organisierte unser Prof Karten für Tannhäuser. Nicht alle wollten mit und einige wollten zuerst und vergaben dann ihre Karten oder ließen sie sogar verfallen, da inzwischen die Inszenierung abgesetzt wurde. Also nicht die Oper an sich, das Orchester spielte ganz normal, aber da es bei der Premiere zu einem kleinen Eklat kam, wurde die Szenerie für die folgenden Aufführungen gestrichen. Trotzdem spielten die Sänger überaus gut die Handlung, eine gut improvisierte Szene reichte völlig aus. Da der Saal nun einige freie Sitze hatte, kamen wir in den Genuß besserer Plätze, beim dritten Akt setzte ich mich in die erste Reihe um in den Graben schauen zu können. Besser hätte es kaum sein können. Ach, fast. Die Apostrophe der Übertitel waren falsch…! Und um auf den letzten Akt noch zu kommen: Nachdem mein Lehrer mir es mehrmals näher gelegt hatte, habe ich nun doch „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ gelesen. Er hatte extra beteuert, dass es sich nicht um religiöse Aspekte handelt. Leider muss ich ihm darauf bescheiden, dass er keinen Sinn dafür hat, natürlich handelt es sich zuvorderst um einen Glauben. Aber auch um eine Technik und ja, die ist nachahmenswert. Mit ihm darüber zu streiten wäre müßig, aber manchmal bekomme ich Lust dazu. Es scheint, als ob man Musikern die Augen öffnen muss, wo sie sich für Spirituelles öffnen, und als ob man Christen die Augen öffnen muss, wovon sie lernen können, ohne alles übernehmen zu müssen. Aus diesem Grund ist das Buch allein als Anschauungsobjekt schon interessant. Irgendwo hätte ich auch Notizen, falls sich jemand dafür interessiert.
Für heute solls genug sein. Ein zweiter ähnlich langer Nachtrag müsste mal folgen…
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen