Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ich hab Zeit.

Dann kommt heute der etwas längere Eintrag, in dem mir hoffentlich alles einfällt, was ich in letzter Zeit mal schreiben wollte.

Wie schlaft ihr abends ein? Die Frage ist spannender als ich dachte. Meistens kann ich nämlich gut einschlafen. Und wenn nicht, dann kommen Ratschläge von früher: Versuch an nichts zu denken und freu dich, dass wenigstens dein Körper schon ruht, das macht schon nen halben Schlaf. Vor nem halben bis einen Monat schätze ich, war ne Phase wo es abends manchmal länger dauerte. Obwohl ich ziemlich müde war, jedoch meist gedanklich zu unruhig um schlafen zu können. Gefährlich ist, wenn ich noch Lust hab was zu machen, obwohl der Verstand mich ins Bett schickt. Dann an nichts zu denken ist fast unmöglich, aber man kann an sehr ruhiges denken, oder sein denken verlangsamen. Was neu dazu gekommen ist, sind verschiedene Schlafpositionen. Inzwischen bin ich feinfühliger dafür, wenn der Körper nicht schlafen kann: Kalte Füße gehn gar nicht, dann lieber aufstehn und dicke Socken holen, geht immer noch schneller. Und nach gewisser Zeit braucht der Körper Abwechslung, d.h. still liegen bleiben führt nicht langfristig zum Erfolg. Allgemein sind aber innerer Frieden und Geduld wohl die wichtigsten Voraussetzungen, ohne die… kein Wunder, dass viele Schlafprobleme haben.

Ich hab in den letzten Wochen Hauptmanns Weber gelesen, plus einige Texte aus der Zeit, die im Anhang waren. Punkt eins: Es ist im Dialekt geschrieben und das gefällt mir gut. Punkt zwei: Das Thema ist so alt wie neu, und ich finde Hauptmann verarbeitet es durchaus gut. Punkt drei: Der Anhang war noch einmal genauso interessant, sowohl wie groß das Elend damals war, als auch wie desinteressiert verharmlosend Berichte der Regierung und Zeitungen waren. Oder aber wie immer gleich anstrengend die Debatte um die Zensur des Stückes verlief.

Und dann hab ich noch ein Buch durch: von Loung UngDer weite Weg der Hoffnung“. Über die Herrschaft der Roten Khmer aus ihrer Sicht als sie 5-10 Jahre alt war. Heftig und bewegend, ich wollte meist weiterlesen, als der Zug oder Bus ankam.

Was war noch so los? Vor drei Wochen kamen David und Tanja vorbei. Haben drei schöne Treffen gehabt. Trotz vollen Terminkalenders. Am ersten Advent war nämlich auch ein Konzert in der Stadthalle zum Thema Tango, in dem spielte ich solistisch, als Gesangsbegleitung und mit Saxophon. Der Auftritt war gelungen, und es war auch ziemlich lustig mit den anderen Studenten zusammen. Nur hätte ich mir auch gern das Konzert entspannt angehört, bzw. auch zugeschaut beim Quintett, das zwischendurch seinen Spaß auf der Bühne hatte.
Dann zwei Tage später sang ich mal wieder im Chor bei nem kleineren Auftritt. Und fuhr am Abend mit Kr. nach Köln, hörten uns ein Konzert von Viviane Chassot im Deutschlandfunk an. Leider war sie entweder aufgeregt, oder anderweitig unkonzentriert oder hatte nicht genug Zeit zur Vorbereitung. Das werden normale Zuhörer nicht unbedingt gehört haben, vielleicht haben diese nur ihren sehr schönen Klang gehört, aber uns störten schon die streckenweis häufigen Verspieler. Teilweise obwohl sie aus Noten spielte. Und der zweite Punkt ist, dass sie einen schönen zarten Klang hat, aber dieser immer gleich blieb. Keine lauten Passagen, keine eckigen oder sperrigen und keine virtuosen, wobei das natürlich keine Pflicht ist. So kommt einem das lange Konzert noch länger vor, und ich weiß nicht, ob dieses erstmalige Akkordeonkonzert in der Reihe des Deutschlandfunks genug Werbung für weitere war.
Ansonsten war die Woche gut gefüllt mit Proben fürs Konzert mit Enrico. Das war am zweiten Advent um 18 Uhr. Leider gab es wohl schon wieder falsche Uhrzeitangaben in der Presse, an uns lags nicht. Es kamen 30-40 Leute, womit wir total zufrieden waren. Technisch war nicht alles da, klanglich war es aber gut, und das Programm fand ich auch sehr überzeugend. Vielen hat es auch gut gefallen. Nun brauchen wir bald weitere Auftritte, damit es warm bleibt und reift.
Das Konzert hat viel Energie gekostet und war der letzte Höhepunkt; kein Wunder, dass ich daraufhin erstmal krank wurde. Zwei Tage später spielte ich trotzdem eine LMN-Mugge, da ich vorher und nachher in der Bahn schlief, ging das aber alles. Ich nahm auch an fast allen Veranstaltungen teil, Hauptfachunterricht ließ ich ausfallen, weil ich nicht geübt hatte. In der Woche war auch die Mensaparty mit dem Thema Bad Taste. Meine Verkleidung war ungewöhnlich genug, leider hab ich keine Fotos. Bei der Wahl hab ich zum Glück nicht gewonnen, einige haben wohl auch mich gewählt. Dabei wollte ich nur den Kreativpreis: Da ich weder einkaufen ging, noch irgendwelche hässliche Kleidung hier habe, hab ich kurzerhand mich einfach falsch herum gekleidet, was besonders schön bei Hut und Haaren aussah. Die Party war ziemlich gut, sehr viele kamen verkleidet, es kamen auch mehr als sonst.
Dann war ich noch auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund, der leider fast nur aus Freßbuden besteht, nicht empfehlenswert. Und ich war in Düsseldorf, die Weihnachtsmärkte sind nett, genauso wie die zwei Verkäufer, der wohl kitschigsten und hässlichsten Schmuck-Buden. Leider macht man damit viel Geld.
Heute gabs auch noch ein richtig gutes Konzert im Treppenhaus der Hochschule. Gut komponierte Neue Musik, die richtig einhüllte und sehr klangvoll war. Müller-Hornbachs sind definitiv gute Musiker.

Und jetzt? Endlich mal wieder Solo-Programm üben, das hab ich drei Wochen lang ausgesetzt. Dann noch ein neues Stück mit Cello bis Januar einstudieren. Gehörbildung mal voranbringen. Und vielleicht auch mal Bratsche üben. Sprachen lernen hab ich schon seit einigen Wochen und Monaten komplett ausgesetzt. Und dann wäre noch das nächste Jahr zu planen, was mir auch nicht leicht fällt.

Übrigens: Ich hatte heute das erste Mal Besuch von Zeugen. Da mein Wecker nicht klingelte, hatte ich ein nettes Gespräch im Nachtanzug. Ich weiß gar nicht, warum ich nicht daran dachte, sie warten zu lassen bis ich mich umgezogen hätte; nächstes Mal. Zumindest sind sie nicht soo abwegig wie die Meinung über sie ist (he, der Satz ist ja doppeldeutig).

Und am Samstag gehts dann wieder in die Heimat für zwei Wochen. Deswegen wünsch ich allen schon mal eine gute Weihnachtszeit und ein schönes neues Jahr. Man sieht sich.

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