Donnerstag, 16. Dezember 2010

Schweitzer (1)

Bis Weihnachten möchte ich gern noch ein bisschen eingehen auf Schweitzers „Aus meinem Leben und Denken“. Das Buch ist entstanden aus einem Bericht über seine wissenschaftliche Arbeiten, den er erweitert hat um seine Biographie und ihm persönlich wichtige Ereignisse. Beendet hat er das Buch im März 1931, also mit 56 von 90 Lebensjahren. Schon die ersten Kapitel über sein Schüler- und Studentenleben fand ich höchst interessant, dann kommen einige theologische Arbeiten (kurzer Anriss geplant), danach musische Arbeiten (die ich auslassen werde), seine Tätigkeit als Urwaldarzt und zu guter Letzt noch einige philosophische Überlegungen (zu denen ich ziemlich viel gern zitieren würde). Zunächst also zu seinen Lehrjahren.

„Die strenge Zucht […] hat mir sehr wohlgetan. In tiefer Dankbarkeit gedenke ich stets an alles Gute […] Auf dem Gymnasium war ich zunächst ein schlechter Schüler […] Vor allem aber wirkte dieser Lehrer dadurch auf mich, daß ich gleich in den ersten Tagen seines Unterrichts inne wurde, daß er jede Stunde auf das sorgfältigste vorbereitet hatte. Er wurde mit zum Vorbild der Pflichterfüllung“ (S. 10). An der Stelle wußte ich merkwürdigerweise, dass das Buch für mich interessant würde. Ein Mensch, der arbeiten gelernt hat, und dem man es auch am Schreibstil anmerkt! Der Beweis folgte bald:
„Die Doktorarbeit hatte weder unter der Kunst noch unter der Geselligkeit zu leiden, da mir meine gute Gesundheit ausgiebige Nachtarbeit gestattete. Es kam vor, daß ich morgens Widor auf der Orgel vorspielte, ohne überhaupt im Bett gewesen zu sein“. (S. 23) Dies bezieht sich auf seine Zeit in Paris von Oktober 1898 bis März 1899. Ich staunte nicht schlecht, dass die Arbeit 325 Seiten betrug, neben Uni, Orgel- und zweimal Klavierunterricht geschrieben. Durchaus auch an anderen Stellen des Studiums (der Studien?) vorbildhaft.
Schön ist auch eine Anekdote, mit der ich schließen möchte. Für eine Prüfung hatte er sich wenig Zeit genommen: „Zu allem Unglück war mir noch das Mißgeschick widerfahren, daß ich meine Unwissenheit in bezug auf den Verfasser eines Kirchenliedes – es war von Spitta, dem berühmten Dichter von ›Psalter und Harfe‹ – damit zu entschuldigen suchte, daß ich es für zu unbedeutend gehalten hätte, um mir zu merken, von wem es sei. Diese Ausrede brachte ich, sonst ein Bewunderer Spittas, zum Entsetzen aller in Gegenwart von Professor Friedrich Spitta, seinem Sohne vor“ (S. 28).

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Eine klare Ansage für den Klogang.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Feuer machen, oder Liedchen trällern?

Schwanitz schreibt auf Seite 515:
„Literatur macht die komplexen Zusammenhänge zwischen sozialen Prozessen und Lebensläufen von Einzelpersonen zitierbar, indem sie ihnen ein Gesicht und eine Adresse gibt. In ihren Geschichten verkörpern sich typische Schicksale, […] Wie lebende Personen auch sind sie »Kompaktinformationen«: Zusammen bilden diese Figuren einen Freundeskreis, den alle Mitglieder eine Gesellschaft miteinander teilen. […] Und nur vermittels der Geschichten, die man an anderen beobachtet, kann man die Abläufe beobachten, in denen man selbst steckt.“

Einen dieser Freunde hab ich in der letzten Woche kennengelernt: Pinneberg. Hauptcharakter in Hans Falladas Roman: „Kleiner Mann, was nun?“. Zu Anfang des Buches heiratet er Lämmchen und folgend handelt das Buch von ihren ersten 2 Ehejahren etwa. Den Geldsorgen. Den Problemen beim häuslichen Einrichten, mit eben jenen im Nacken. Das Zusammenbekommen von Arbeit und Privatleben, besser: Eheleben. Dazu kommen, die grundverschiedenen Weltsichten, die sich erst beim Zusammenziehn auftun, wie sollten sie diese auch vorher bemerken, irgendwann bekommt man mit, dass sie sich wenige Wochen oder Tage vor der Heirat nur gekannt haben dürften. Außerdem wird Berlin um 1930 herum skizziert mit all seiner Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen, sowie den Kämpfen zwischen Nazis und Kommunisten, auch wenn das Pinneberg nur am Rande zu betreffen scheint. Und natürlich auch einige interessante Nebenfiguren – ich fand das Buch sehr interessant. War eindeutig am Lesetempo festzustellen. Auch wenn ich nicht in den Abläufen selbst stecke und vermutlich nie in diese kommen werde, dafür ist die Ausgangslage doch zu unterschiedlich. Aber so verschiedene Schicksale in einer »Kompaktinformation« zu haben, ist doch wirklich eine schöne Sache.

Samstag, 20. November 2010

Ich bestimme das Thema.

Die Zeit fließt schnell vor sich hin, schneller als erwartet. Momentan lese ich viele Bücher und übe mäßig, dazu einige Gedanken im Kopf, was ich ändern könnte, mal angehen sollte. Da ichs schon gegenüber einigen erwähnte, für alle nochmal eine kurze Aufzählung der Bücher:
Von Tucholsky einige Kurzgeschichten, manche sind sehr gut, viele aber für mich belanglos, nach einem Drittel des Buches stockt es grad ziemlich. Von Hemingway einige Kurzgeschichten, wie ich finde, ein mühsamer Stil, auf seine Art schön, aber etwas zu spröde. Dagegen war die etwas längere Geschichte „Der alte Mann und das Meer“ sehr eindrucksvoll, da sich nochmal eine andere Welt öffnet, wenn man nach einigen Seiten in den Stil eingetaucht ist. Nun bin ich bei Schweitzers „Aus meinem Leben und Denken“ angelangt, was ein sehr inspirierendes Buch ist, schon von den ersten Seiten an. Wenn ich Zeit und Muße finde, will ich gern dazu noch was schreiben.
Des Weiteren lese ich von Schwanitz „Bildung. Alles was man wissen muß“. Zugegeben, der Name hat mich abgeschreckt. Aber er ist nicht nur provokant, sondern durchaus gerechtfertigt. Im ersten Teil gehts ums Allgemeinwissen, knapp dargestellt, aber umfassend. Im zweiten Teil um den Umgang unter Gebildeten, die Einleitung dazu ist sehr lesens- und denkenswert. Würde ich auch gern einmal paar Dinge rausschreiben. Auch standen in diesem Buch einige interessante selbstreflexierende Sätze, die zu dem Posttitel führten.
Last but no least probier ichs doch mal, die Bibel von vorn nach hinten zu lesen. Einige Passagen in den Büchern Mose schreckten mich zwar immer davon ab, aber irgendwann wollte ichs doch mal angehn. Zwei von fünf Büchern sind schon passé, ob ich bis Weihnachten allerdings Mose schaffe, ist zu bezweifeln.
Drei weitere, kurze Bücher liegen noch auf meinem Schreibtisch, sodass die Zeit bis Weihnachten in jedem Fall gut gefüllt ist.
Als letztes wollte ich schon lange nachtragen, dass ich mit den Father-Brown-Erzählungen durch bin, zumindest in der fast vollständigen Gesamtausgabe. Durchaus empfehlenswert, wenn man sein englisch etwas üben möchte und Spaß an Kriminalfällen hat. Nur wenige sind in ihrem Verlauf absehbar, auch wenn sie sich sehr ähneln; mehr noch macht diese Geschichten die pointierte Darstellung des Fathers und die wortreiche Schreibweise Chestertons lesenswert.
Nun denn, genug geschrieben, wünsche eine angenehme Adventszeit.

P.S.: Da les ich grad bei wikipedia, dass es für Hemingways Geschichte – ähäm – Novelle den Literaturnobelpreis gab… dass sie als so außergewöhnlich eingeschätzt wird, hätte ich nicht gedacht.

Montag, 1. November 2010

es ist merkwürdig.

Aber wirklich so, dass mich kein Heimweh packt. Wohl doch auch schon hier zu Hause. Noch merkwürdiger ist, dass ein paar Gedanken ohne Antwort liegen geblieben sind und ich auch keine Anstalten mache, diese Fäden wieder aufzugreifen. Wo ich sonst nicht aufhören kann, Dinge zu Ende zu denken.
Heute war ich doch noch in Hattingen. War zwar neblig und dunkel, sodass ich keine schöne Landschaft auf der Fahrt hatte, gelohnt hat sichs trotzdem. Hat wirklich ne schöne, kleine Altstadt und präsentiert sich auch gut, ein wesentlich friedlicher und homogenerer Ort als Wuppertal. Warum ich mir sowas anschaue? Ach, keine Ahnung, irgendwelche Gene.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

und wie gehts?

gut.

Schön, dass Blog-Leser meist nicht so anspruchlos sind. Denn wo hinter der Alltagsfrage wirklich gar kein Interesse steht, bleibt man nicht allzu lange. Dagegen hab ich mich entschieden, dieses Jahr regelmäßig zur smd und zur Heckinghauser Gemeinde zu gehen. Zugegeben, Weg des geringsten Widerstandes, aber halt auch des größten Interesses. Abgesehen davon… guter Start. Bis man sich wieder eingeübt hat, dauerts ein bisschen, aber die Phase ist inzwischen vorbei, nachdem ich letzten Freitag- und Samstagabend bis zur Schließung in der Hochschule war. Der Rest des Studiums ist nicht so spannend… ich nehme die Ringvorlesung mit, lohnt sich zwar zeitlich überhaupt nicht, nach Köln rüberzufahren, aber die ersten beiden Vorlesungen haben schon bestätigt, dass es höchst interessant ist. Außerdem bin ich bei der Alexandertechnik reingerutscht, da die eine Dozentin eine Warteliste von drei Semestern hat und die andere gar keine… nun, soweit so gut. Hat sich jemand den letzten Artikel von brand.eins durchgelesen? Nun bin ich fast mit der zweiten durch, Schwerpunkt war Stabilität. Wenn ich mal Zeit finde, will ich ein paar Gedanken aus den Artikeln und Büchern zusammenfassen. Also so in 3-4 Wochen… wenn ich hier nichts schreibe, dann meist, weil ich genug zu tun habe. schönen Herbst euch.

Montag, 18. Oktober 2010

Da überraschten meine Gedanken mich ebend selber.

Wortspiele sind nicht meine Stärke, eher meine Schwäche.