Samstag, 16. Juli 2011

gegen die Lust

Heut war ein vergammelter Tag. Also wie geplant. Ungeplant war, dass mir Computerspielen kaum Spaß mehr macht. Naja, vielleicht schon irgendwann mal wieder, aber heute nich so. Aber fangen wir vorne an.
Ursache für meinen Stromausfall war mein Herd. Der geht jetzt nicht mehr, bzw. verursacht nen Kurzschluss, wenn man ihn einschalten will. Fachmann kommen lassen lohnt sich nicht, entweder ich leb ab Oktober ohne Herd hier, oder ich find selber nen Fehler oder ich zieh aus. Die Faulheit schlägt Lösung eins vor.
Sonntag war der Klassenabend, der diesmal nur zwei Stunden lang ging, und qualitativ auch recht gut war. Solo und Kammermusik waren sehr gut, unser Ensemble war ausreichend gut fürs Konzert, aber wir könnten wohl mehr, wenn wir gewollt hätten.
Montag bis Mittwoch waren dann täglich zwei Proben für Nosferatu. Die Abendprobe war immer deutlich besser als die Morgenprobe (da verzählt man sich grundlos) und auch im Laufe der Tage gabs eine deutliche Steigerung bis zum Konzert. Das war am Mittwochabend und bis auf einen falschen Einsatz im Fortissimo, zu meiner vollsten Zufriedenheit gelaufen. Hab mich nicht verzählt und Solostellen so gut wie möglich abgeliefert, nicht alles war so möglich, wie vom Komponisten gefordert.
Dienstag war noch mündliche Theorie-Prüfung, insgesamt haben wir 3 Noten bekommen (mündl., schriftl., schriftl. in Gehörbildung), hab bei allem eine 1,7.
Dann war ich ganz schön erschöpft. Als ich Mittwochabend zum Konzert ging, wollten meine Beine kaum noch laufen. Auf dem Nach-Hause-Weg war es einfacher, zwar liefen sie langsam, aber ich war glücklich genug, dass es mich nicht interessierte. Donnerstag war ich ziemlich im Eimer, hab tagsüber lange Pausen gemacht. War trotzdem morgens um neun zu Musikgeschichte gegangen, hab auch Mittwoch und Donnerstag mit In. und Ve. einander vorgespielt, am Freitag hatten wir drei Zwischenprüfung. Üben ging mit langen Pausen dazwischen, laufen war ganz schön anstrengend. Wollte Donnerstagabend eigentlich noch zum Hochschulsport, evtl. sogar zu nem Film, aber das erschien mir nicht möglich, wenn ich noch irgendwie Kraft für den nächsten Tag haben wollte. So hab ich bis neun noch in der Hochschule geübt.
Am Freitag dann ausgeschlafen, hab dann die Zwischenprüfung gespielt, zwei Stücke sehr gut, beim dritten vergaloppierten sich ständig meine Finger. Einmal musste ich ein paar Takte eher neu ansetzen, hab dafür aber nicht abgesetzt, sondern nen Takt lang improvisiert. Also hab ich durchgängig den Gestus des Stückes beibehalten, nur die Töne oftmals nicht, was man bei dieser Komposition aber auch nicht unweigerlich merkt. Raus kam dann ne 1,3. Nach ner Essenspause und bissl Warmspielen dann noch Nebenfachprüfung. Ein wenig und ein wenig mäßig kleine Trommel gespielt und recht gut auf dem Vibraphon dann musiziert, raus kam ne 1,7. Also kann ich durchaus zufrieden sein mit dem Semesterabschluss. Vor drei Wochen kam mir das Semester noch kurz vor, nach der letzten Woche, aus der man drei hätte machen können, kam es mir sehr lang vor. Hab mir trotzdem noch ne Schlagzeug-Masterprüfung am Freitagabend angehört, war sehr schön, anschließend noch beim Sektempfang gewesen. Bin dann aufgebrochen zur Abschiedsparty, wo ich erstaunlich lange durchhielt, bin um fünf wieder zu Hause gewesen. Bis halb eins heut geschlafen, ich denke den Tag könnt ihr euch vorstellen.
Bin noch bis Donnerstagmorgen hier, ab Samstag dann in der Heimat. Hab Montag und Dienstag recht viel freie Zeit, muss mir noch strukturieren, was ich über den Sommer machen will/soll/kann. Ansonsten gibts hier wohl wieder ne Sommerpause und es geht erst wieder im Oktober weiter. Gute Nacht, o Wesen.

Samstag, 9. Juli 2011

Dunkel wars, der Mond schien… nicht.

So… Samstagabend und ich wollt gern einen neuen Post schreiben. Nur kommt der erst später online, da ich einen Stromausfall habe. Momentan gibts zwei Erklärungen: die erste wäre der leicht verbrannte Geruch beim Reinkommen, die zweite der Brief des Netzbetreibers heute morgen im Briefkasten. Für nen Kabelbruch spricht auch, dass es nur meine Wohnung betrifft und ich nicht weiß, warum man mir den Strom abstellen sollte. Blöderweise liegt der Brief in der Hochschule, ohne dass ich ihn gelesen hätte. Egal, solange es kein bösartiger Kabelbruch ist (Schmorbrand oder auf eigene Rechnung), stört es nur wenig, wenn ich ne zeitlang ohne Strom bin.
Erst vor drei Tagen das letzte Mal gebloggt… dann kommt als erstes das StuPa drin. War am Donnerstagabend die konstituierende Sitzung. Organisation sollte straffer sein, die Wahlen sind auch reichlich unsinnig gewesen, haben aber die meiste Zeit beansprucht. Trotzdem könnte das Jahr lustig werden, eine(!) interessante Information gabs auch. Und sonst wars ne angenehme Fahrt, da ich mich mit Is. ganz gut unterhalten kann.
Nachdem das Üben Donnerstag schrecklich zäh war, nahm ich mir einen recht verschlafenen Freitagmorgen, war dafür am Nachmittag echt fit. Die K.A.-Prüfung lief dann auch recht gut, auch bei den anderen Beiträgen. Hab nen Wein geschenkt bekommen und eigentlich auch ne Einladung zu Freibier, aber die musste ich ausschlagen wegen des Sommerfestes in Wuppertal.
Das war sehr schön gelungen. Im Gegensatz zu normalen Mensa-Partys war dieses Fest stark von den Dozenten gestaltet, entsprechend eine andere Atmosphäre, aber keine steife. Verpasst hatte ich einige Programmbeiträge am Nachmittag. Als ich kam spielte grad auf dem Hof eine Studentenband recht ausgelassene Lieder, dann ging es weiter in den Kammermusiksaal. Das Salonorchester gab ältere Tanzmusik zum Besten, und es tanzten zu aller Überraschung wirklich viele dazu. Nicht immer aber zum eigentlichen Tanzstil, der Slowfox z.B. ist etwas aus der Mode gekommen. Wahrscheinlich wirds wegen des Erfolges in Zukunft einen Tanzkurs an der Hochschule geben, eine Studentin würde wohl wöchentlich eine Stunde geben. Wär ziemlich cool. Achja, ich hab mit zwei Kommilitoninnen und einer Dozentin getanzt, bei der anderen Hälfte der Lieder nur zugeschaut. Dabei auch bemerkt, dass „normale“ Gespräche leider schwer zustande kommen, wenn der Fokus so auf dem Tanz liegt. Abschließend gab es „Poetisches zur Nacht“. Ein paar Dozenten lasen ihre Lieblings-Prosa vor, zwischendurch sangen wir Abendlieder. Eigentlich ein wunderschöner Abschluss um ins Bett zu gehen, aber es musste noch aufgeräumt werden. Hab also noch einige Zeit mitgeholfen und mich dann auf den Hof gesetzt. Dort versammelten sich die Studenten mit dem Restalkohol, einige hatten noch etwas mitgebracht. Eigentlich sollte es irgendwann Richtung Elberfeld gehen, dann wäre ich stattdessen ins Bett gegangen. Allerdings fuhren nur die Autos weg, die Bus-/Bahnfahrer machten einen Versuch alle Leute zu mobilisieren… das war zu viel verlangt. Dann blieben halt alle Leute da auf dem Hof sitzen, d.h. es war zusammengeschrumpft auf fünfzehn etwa. Tja, die hielten aber auch länger durch als ich erwartet hatte. Blieb bis zu letzt und schaffte noch jemanden nach Hause, als ich selber den Heimweg antrat, wurde es wieder hell. Dementsprechend war der heutige Tag gut, aber kurz, und ich werd auch wieder müde, also texte ich euch nicht weiter zu. Auf bald. (Besser als gestern: Bis Oktober. Gruselig.)

Mittwoch, 6. Juli 2011

Zwischen den Speichen

Die Woche ist so viel los, dass ich möglichst dicht bloggen möchte.
Montag war zuerst die Harmonielehre-Klausur. Hab ein gutes Gefühl, kein schweres Thema für mich, trotzdem war die Zeit zu knapp berechnet. Hab eine kleiner Aufgabe nicht geschafft, die anderen waren längst nicht so weit. Nach ner Pause sollte es dann weitergehen mit Gehörbildung, da der Dozent aber einsah, dass die Zeit zu kurz war, hat er die halbe Stunde vor Gehörbildung noch mal die Arbeit rausgegeben. Nur ich hab nicht dran weitergearbeitet. Dafür war ich dann ausgeruht und hab ein sehr gutes Gefühl bei Gehörbildung, obwohls nicht meine Stärke ist. Und die anderen hatten spürbar Probleme mit dem Streß. Leider verpasste ich durch die Prüfung den Tanzkurs, der wohl gut angekommen ist. War ne (bis jetzt?) einmalige Angelegenheit wegen des Sommerfestes am Freitag an unserer Hochschule.
Auch noch interessant war, wie detailliert ich mich am Montagmorgen an meinen letzten Traum erinnern konnte. Verknüpfte durchaus kreativ meine ehemalige Schule mit der Hochschule, hab danach ne halbe Stunde es aufgeschrieben, wens interessiert, dem schick ichs zu – nur hierher wäre mir grad zu öffentlich.
Gestern war ich dann in Krefeld zur Reparatur. Während der Mittagspause hab ich die Stadt besichtigt. Krefeld ist erschreckend normal. Die meisten Städte find ich entweder langweilig oder in irgendeine Richtung besonders, Krefeld hat alles, aber nichts übermäßig oder herausstehend. Etwas mehr Grün, etwas mehr Kinder, und mehr Wohnviertel am Rand der Innenstadt, mehr braucht sie gar nicht fürs Stadtbild. Die Tour hatte ich vorher nicht geplant, auf gut Glück kommt dann so etwas heraus:



Die Reparatur war auch recht interessant, haben viel geredet nebenbei, einerseits gibt es mechanisch viel an meinem Instrument auszusetzen, andererseits klingt es gut, auch wenn die Stimmung schon wieder ziemlich weg war… muss wohl nochmal hin. Abends wollte ich noch zu ner Probe nach Köln, aber die erste Straßenbahn hatte nen Motorschaden, die zweite kam auch nicht pünktlich beim Hauptbahnhof an, da hatte sich die Probe. Fuhr noch einmal zurück zum Reparieren, war also von früh um acht bis abends um zehn außer Haus, hab nicht geübt, am Montag schon wenig.
Heute kaum mehr geübt, dafür Probenarbeit. Die erste Probe für Nosferatu lief gut, normale Eingewöhnungsprobleme, aber nicht zu weit weg von dem, was ich mir vorstellte. Da gibts im Orchester schon eher Resentiments gegen die Neue Musik. Nach Fachdidaktik und Ensemble-Probe dann in Köln gewesen, mit dem Professor noch einmal die Kammermusik durchgesprochen. Alle sind jetzt mit dem Ergebnis zufrieden, Freitag wirds abgeliefert bei seiner K.A.-Prüfung, dafür muss ich wieder nach Köln. Genauso wie morgen abend, da hat das StuPa seine konstituierende Sitzung. Keine Ahnung, obs interessant wird, aber da Wuppertal fünf Plätze zustehen und momentan nur drei Vertreter in diesem Organ hat, isses schon nich verkehrt, wenn ich das mal ein Semester mitmache.
Zu allem Überfluss löst sich auch noch die Sohle bei meinen Sandalen auf. Darf die einfach so wegschwimmen, nach nem knappen Jahr Benutzung nur? Also minus die Wintermonate natürlich. Ärgerlich zumindest.
Ich hoffe, ich hab nicht zu viel gespammt, wünsche eine gute Nacht.

Sonntag, 3. Juli 2011

Außer es passiert zu viel

Die Woche war gut voll. Hab einiges geübt, das meiste ist dem Ziel nahe, ein Stück macht mir momentan etwas Sorge. Dann war ich jeden Abend außer Haus: am Montag gab der Schlagzeugprofessor ein Konzert an der Hochschule, Dienstag normal smd, Mittwoch war ich zu einem leckren Abendessen eingeladen, Donnerstag Aikido, Freitag nochmal von Freunden eingeladen. Nur den Samstag blieb ich komplett zu Hause, da ich zu viel Arbeit hatte. Dafür war ich heut mal wieder im jwd. Dazu gabs bei den meisten Abenden auch ein-zwei gute Gespräche, die ich nicht online stellen will, weswegen es mir aber grad besonders gut geht. Da morgen die Prüfungszeit anfängt, ist das gar nicht so verkehrt. Nebenbei gibts dann auch typische Studentenversuche: Schimmel stirbt nicht ab, wenn man ihn in der Mikrowelle erhitzt. Achja, noch eine Begebenheit, hatte am Freitagmittag mal wieder nen Kreislaufaussetzer. War n ruhiger Morgen, dann ne Stunde entspannt bei der Alexandertechnik, plus nix getrunken: das gefiel meinem Kreislauf so gut, dass er aufhören wollte. Zumindest war das Gehirn deutlich unterfüttert, auch wenn ichs ohne Hinlegen hinbekommen habe. Achja, ich freu mich auf den Sommer, hab mir aus der Bibliothek mal Noten geholt, und auch so ein paar Ideen, was ich gern mal probieren würde… never stop dreaming. ebenso wie reflektieren. oh, und da kommt noch was: gefühltermaßen funktionieren meine Sehübungen. War mal wieder waschen und da konnte ich die hässlichen Digitalanzeigen wieder besser lesen. na denn, eine wunderschöne gute Woche wünsche ich.

Sonntag, 26. Juni 2011

Aller zwei Wochen ist ein gutes Metrum

Es geht mir gut. Immernoch. Ich hab das Gefühl, meine Produktivität gesteigert zu haben, was mir durchaus Freude bereitet. Vieles ist auf einem guten Weg, und auch wenn ich noch einiges an Wegstrecke übrig hab für die letzten drei Wochen, so ist sie durchaus schaffbar. Zwei Klassenvorspiele haben auch geholfen genauer zu wissen, was ich noch üben muss. Sonst nix passiert bis auf vorgestern abend eine Geburtstagsfeier und gestern eine Hochzeit. Hochzeit No. 2 von 5 in diesem Jahr die beiden kenne ich halb-gut, deswegen fand ichs auch schön, dass ich viel helfen durfte in der Küche und beim Programm. Streng genommen wurde es ein bisschen zu viel, nicht für mich, aber ich wollte schon aufpassen, dass ich meine innere Angespanntheit nicht auf andere übertrage. Heute war ich dann noch beim Abbau dabei und somit war es ein wirklich volles Wochenende. Den Sonntagabend muss ich mir immer frei halten, damit ich am Montagmorgen beim Hauptfachunterricht voll anwesend bin.

Heut morgen kam mir im Gottesdienst mal wieder ein netter Sinnspruch: Ich bin Optimist, ich optimiere ständig. Einer von vielen, die mir oft wieder entfallen, manchmal aber auch irgendwo in alten Aufzeichnungen begegnen und wenige bleiben permanent. Bei den permanenten hätte ich auch noch ein paar anzubieten, z.B.: Was ist das größte Geschenk an sich selbst? – Bescheidenheit. Ein Schlüsselgedanke ist auch: Adam und Eva waren fern von Gut und Böse. Was oft nicht in letzter Konsequenz durchdacht wird. Die Beiden wussten nicht, ob es Böse wäre vom Baum zu essen, da sie nicht wussten, was böse ist. Ob sie sich es vorstellen konnten, bevor sie die Frucht aßen? Also mit dem Gedanke schon vor der Tat das Böse in die Welt kam? Was heißt das für uns, wenn wir vom Paradies träumen? Dass wir nicht entscheiden sollten, was gut und böse ist? Etc.

Nächste Woche ist noch nicht so viel los, ich freu mich durchaus auch auf irgendeine Art von Kommunikation, danach kommen zwei streßige Wochen und vermutlich irgendwann danach meld ich mich auch hier mal wieder. bis denn.

Montag, 13. Juni 2011

Das Wort zum Montag

Es geht mir gut. Die zwei Wochen waren voll, zu voll um noch einen klaren Kopf zu behalten, aber mit etwas Übung legt sich das wieder. Voriges Wochenende war ich in der Heimat mit einer guten Mischung aus vorrangig Familie treffen und nachrangig Freunde treffen. Dabei war das Grundgefühl von anfang an, dass man sich viel zu selten so trifft und man ein weiteres Treffen planen sollte, wo doch mein Vater meinte, es würde das letzte in dieser Runde sein. Dieses Wochenende war ich dann auf dem Jazz-Festival in Moers. Wußte nicht, worauf ich mich einlasse, war aber überraschend positiv. Auf der einen Seite gibts eine Bühne mit durchlaufendem Programm und auch einigen guten, sowie einer für mich außergewöhnlich starken Band. Diese war allerdings speziell fürs Festival zusammengekommen, deswegen sei an dieser Stelle nur auf den kreativen Kopf hingewiesen. Auf der anderen Seite treffen sich jährlich wieder ein Haufen Punks um den Park zu verwüsten. Die Masse befindet sich irgendwo dazwischen, freut sich an den vielen (alternativen) Ständen und den noch viel zahlreicheren Spaßmusikanten auf dem Gelände, und sympathisiert oder verachtet das eine oder andere Extrem. Mir gefielen die beiden Parallelwelten und es gab auch ein paar denkwürdige Begegnungen, das soll aber nicht alles in den Blog. Abgesehen von den Wochenenden waren die Wochen dementsprechend vom Versuch geprägt, die verlorene Übezeit wieder aufzuholen. Da bleibt nur noch die Erwähnung vom Saxophonabend. Wir haben hier in Wuppertal zwar keine, da aber die zwei Kölner Säle immer belegt sind, kam die Kölner Saxophonklasse zum Konzert nach Wuppertal. Was mir außerordentlich gut gefiel, da mir das Saxophon deutlich vertrauter ist als viele andere Instrumente und die Klangvielfalt längst nicht so ausgeschöpft und verbraucht wie bei manch einem „alten“ Instrument. Ich wünsch frohe Pfingsten und dass der Heilige Geist schön fleißig ist.

Sonntag, 5. Juni 2011

Was ist Bildung?

Hier kommt nun der versprochene Post. Er ist noch nachgereicht vom längst ausgelesenen Schwanitz, allerdings fällt es mir schwer über die Gedankenanstöße daraus zu bloggen. Einerseits ist Schwanitz eigene Sicht recht platt, und ich möchte versuchen alles gleichmäßig auszuleuchten, andererseits können die Blogleser auch ganz schön weit in ihrer Ausgangslage auseinanderliegen. Draus geworden ist ein viel zu langer Text.

„Blicken wir indes auf die soziale Wirklichkeit, stellen wir fest, daß Bildung nicht nur ein Ideal, ein Prozeß und ein Zustand, sondern auch ein soziales Spiel ist. […] In den Club der Bildung wird man nur aufgenommen, wenn man das Spiel schon beherrscht; aber spielen lernen kann man nur im Club. […] Weil das Bildungsspiel ein »Unterstellungsspiel« ist. Im geselligen Verkehr unterstellt jeder dem anderen, daß er gebildet ist, und der andere unterstellt, daß ihm das unterstellt wird. […] Das Ergebnis ist, daß in der Bildung wie in der Liebe die Erwartungen unrealistisch werden, weil sie nicht überprüft werden dürfen.“ (S. 505f.)

Weiter führt er aus, dass nicht begründbar ist, was zu einer Bildung gehört, und wichtiger als das Wissen die Spielregeln sind, nach denen gespielt wird.

Dieses Kapitel hat mir geholfen in der bewussten Wahrnehmung von unbewussten Erwartungen. Natürlich weiß man sofort, wer das Spiel spielen kann, und wer nicht, die Ergebnisse des Bildungsspiels lassen sich leicht zeigen. Und gerade weil wir so intuitiv mit unserer Bildung spielen, scheint uns diese Klassifizierung eine sehr logische zu sein, denn die Beherrschung der Regeln zeigt sich ja in den einfachsten Gesprächen. All das wirkt nun leicht lächerlich, wenn man ein ganzes Buch über Bildung liest, um am Ende festzustellen, dass ein festgeschriebenes Bildungsminimum entweder sehr minimal ist oder, wenn wir von einem größeren Kanon sprechen, sehr dumm ist (Kanon ist nicht begründbar und lähmend – s.u.). Trotzdem ist Bildung ja hilfreich, oder?
Das Ideal der Bildung ist hilfreich, es verhindert die Fachidioten und begünstigt unorthodoxe Lösungen, wenn man über den Tellerrand seiner eigenen Welt sehen kann. Persönlich weiß ich, dass es glücklicher macht, wenn das Gehirn unterschiedliche Kost hat, und sich nicht um die eigenen Sorgen dreht. Bildung als Prozeß und Zustand beleuchtet zwei unterschiedliche Seiten, wobei das beständige Dazulernen betonenswert ist (macht demütig und lernbereit), wogegen der Zustand relativ gesehen werden muss, relativ zur Gesellschaft in der man sich befindet. Der Zustand des Gebildetseins löst natürlich zwangsläufig das soziale Spiel aus, dessen Nützlichkeit ich bezweifeln will.
Die Kenntnis der Regeln kann man als Nutzen auffassen, man lernt inhaltsvollen Unterhaltungen folgen zu können. Wer mit dem Etcetera-Prinzip arbeitet, muss sich nicht im Thema auskennen, sondern wird im Verlaufe des Gesprächs herausfinden, worum es geht. Dagegen lähmt die Erwartung, dass jeder gebildet ist. Denn was nützt uns gemeinsames Wissen? Nützlich ist es, wenn man beim Gespräch gemeinsame Bekannte hat (siehe da), aber wenn man nur einem aus der Gruppe die vorausgesetzten Begriffe erklären muss, dauert es wieder länger. Als zweites Argument spricht gegen den Kanon, dass es eine Diskussion lähmt, wenn alle die gleichen Bücher oder gleiche Medien konsumieren. Ich halte den Schulunterricht für sinnvoller, wenn in einer Schulklasse jeder ein anderes Buch des selben Autors liest. Theoretisch könnte ein Lehrer sich dann für ein-zwei Stunden zurückziehen, selbstständiges Austauschen und Lernen wäre möglich. (Gleiches Prinzip auf der nächsten Cocktail-Party.) – Leider funktioniert es nur in der Theorie, da Schule als Arbeit gehändelt wird, und keiner übermäßig arbeiten will. Dass der eine nur kurze Prosa liest, der andere aber Epen, kann man unter den Bedingungen keinem schmackhaft machen, obwohl gerade das eine Betonung der Individualität wäre. Ein Ziel, das die Schule leider nicht verfolgt und somit den Musiksendern und den Jugendmoden überlassen hat. Wir sind zwar nicht zwangsläufig Epigonen, aber doch Kinder unserer Zeit. – Wer bei diesem Satz die Kehrseiten von angewandter Bildung spürt, sollte sich nicht ärgern. Online kann man das Problem prima umgehen, z.B. indem man auf wikipedia verlinkt, auch wenn ich gegen ebendiese nun leichte Ressentiments habe.
Was kann man aus der theoretischen Abhandlung lernen? Ich meine, Bildung ist gut, Kanon und Erwartung derselben nicht. Das gesellschaftliche Spiel und die Klassifizierung kann man eh nicht unterbinden, deswegen sollte man sie sich bewußt machen. Suche die Bildung, die dein Gesprächspartner hat, nicht diejenige die du voraussetzen würdest. Es gefällt nunmal nicht, auf seine Unbildung aufmerksam gemacht zu werden, weil dahinter gleich der Anspruch eines verpassten Kanons steht. Selbstverfreilich sollte man sich weiterbilden, eventuell aber bevorzugt dort, wo andere es nicht tun. Ein Bildungsspiel ohne Bildungskanon zu spielen ist schwer, aber nicht unmöglich und vorallem – lohnenswert.