Montag, 14. Juni 2010
Zuckmayer (6)
„Ich hielt mich, als ich heiratete, mit noch nicht neunundzwanzig für einen erwachsenen Mann. Aber wer weiß, wann er erwachsen ist. Ich war zur Ehe, zur Häuslichkeit gewillt, aber ich war noch nicht domestiziert. Ich hatte vieles kennengelernt, aber ebenso viel noch zu erfahren. Unter anderem, daß die Ehe ein Wagestück ist, wie das Seiltanzen und das Stückeschreiben, und auch, wie beides, eine Arbeit. Das ist sie, nach mehr als vierzig Jahren, geblieben – daher auch niemals langweilig oder stumpf geworden – und hat sich am besten bewährt, wenn das Wetter am schlechtesten war.“ (S. 476)
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Zuckmayer
Dienstag, 8. Juni 2010
Wandern
Seit ich hier bin, nutze ich komplett freie Tage, also meistens die Sonntage, um die Gegend zu erkunden. Einerseits weil sonst die Gefahr besteht, dass ich fast den ganzen Tag zu Hause hocke, andererseits weil das Gen meines Großvaters wohl auf mich überwandert ist. In den näheren Stadtteilen bin ich inzwischen recht viel abgelaufen, letzten Sonntag war ich mal wieder in der Natur. Für alle die zu viel Freizeit haben deswegen drei Preisfragen: Wie lang schätzt ihr die Strecke? Wie lang schätzt ihr bin ich gewandert? Wer findet den Ausschnitt von googleMaps?
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Wandern
Donnerstag, 27. Mai 2010
Zuckmayer (5)
Was mich überraschte, war, wie früh in der Weimarer Republik sich schon ihr späteres Ende abzeichnete.
„In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle aufs tiefste betraf. Am 24. Juni 1922 wurde in Berlin der deutsche Außenminister Walther Rahtenau ermordet, […] er wurde ermordet, weil er Jude war.“ (S. 351)
„Zum ersten Mal hörten wir jene ›Sprech-Chöre‹, von denen später, als Hitlers braune Banden die ›nationale Erhebung‹ inszenierten, die deutschen Städte widerhallten:
»Verreckt ist Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau« “ (S. 352)
„In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle aufs tiefste betraf. Am 24. Juni 1922 wurde in Berlin der deutsche Außenminister Walther Rahtenau ermordet, […] er wurde ermordet, weil er Jude war.“ (S. 351)
„Zum ersten Mal hörten wir jene ›Sprech-Chöre‹, von denen später, als Hitlers braune Banden die ›nationale Erhebung‹ inszenierten, die deutschen Städte widerhallten:
»Verreckt ist Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau« “ (S. 352)
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Zuckmayer (4)
„Es kam Paul Hindemith […] Auf den Schultern schleppten wir den kleinen, immer lach- und scherzbereiten Musikanten – er liebte sich so zu nennen – durch die Stadt, zu unserem Stammlokal […] In der Ecke stand ein wackliges Piano, auf dem das ›Paulche‹ Hindemith uns nachts mit dem Seehundsklavier bekannt machte: die flachen Hände wie Flossen benutzend, ohne einzelne Tasten anzuschlagen, brachte er köstliche Parodien auf gängige Musikwerke zustande, wobei er selbst wie ein dressierter Seehund aussah. Liszt, Chopin und Wagner, mit Seehundsflossen gespielt, gewannen entschieden an Humor.“ (S. 341)
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Zuckmayer
Zuckmayer (3)
Irgendwie kann ich gut nachvollziehen, wie Fraenger gearbeitet hat:
„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)
„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)
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Zuckmayer
Montag, 17. Mai 2010
Zuckmayer (2)
„Dies war das erste, folgenschwere ›appeasement‹. Man hatte Hitler freie Hand gegeben, und er steckte sie nicht in die Tasch, wenigstens nicht in seine eigene.“ (S. 141)
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Zuckmayer
Zuckmayer (1)
Wie schon hier erwähnt, lese ich seit längerem Carl Zuckmayers „Als wär’s ein Stück von mir“. Da darin zwischen vielen autobiographischen Erzählungen immer wieder interessante Feststellungen sind, wollte ich hier mal ein paar zitieren, vorerst unkommentiert. Zum Zusammenhang noch: Carl Zuckmayer ist vor dem zweiten Weltkrieg in die USA emmigriert und dass er nicht in einem KZ gelandet ist, war teilweise mehr Glück.
„Doch es wird immer anders. Es wird immer anders, solange man lebt. Zwar heilt die Zeit keineswegs alle Wunden. Doch sie lehrt uns eine Dialektik der Metamorphose, des Sich-Verwandeln-Müssens. Ihre These ist: der Lebenswille! Ihre Antithese: die Verzweiflung. Ihre Synthese ist die Freundschaft.“ (S. 112)
„Man soll die Emigration nicht für einen Ausflug halten […] wieviel Selbsttäuschung, vergebliche Hoffnung, falsche Zuversicht, zerbrochene Lebensmitte! Dabei hatten wir ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen soll: das waren die Russen, die nach der Oktober-Revolution von 1917 geflüchtet waren […] und jedes Osterfest mit dem Trinkspruch begingen: zu Weihnachten sind wir daheim!“ (S. 113)
Hmm, ich könnte ein paar Seiten dazu zitieren, aber das wäre zu lang, wahrscheinlich sind erlaubte Zitate noch kürzer…
„Doch es wird immer anders. Es wird immer anders, solange man lebt. Zwar heilt die Zeit keineswegs alle Wunden. Doch sie lehrt uns eine Dialektik der Metamorphose, des Sich-Verwandeln-Müssens. Ihre These ist: der Lebenswille! Ihre Antithese: die Verzweiflung. Ihre Synthese ist die Freundschaft.“ (S. 112)
„Man soll die Emigration nicht für einen Ausflug halten […] wieviel Selbsttäuschung, vergebliche Hoffnung, falsche Zuversicht, zerbrochene Lebensmitte! Dabei hatten wir ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen soll: das waren die Russen, die nach der Oktober-Revolution von 1917 geflüchtet waren […] und jedes Osterfest mit dem Trinkspruch begingen: zu Weihnachten sind wir daheim!“ (S. 113)
Hmm, ich könnte ein paar Seiten dazu zitieren, aber das wäre zu lang, wahrscheinlich sind erlaubte Zitate noch kürzer…
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