Dienstag, 15. Juni 2010

Zuckmayer (7)

Später emigrierte Zuckmayer in die USA um dem Krieg zu entkommen. Da er dort aber als Literat keinen Erfolg hatte und raus aus den Städten wollte, wurde er bis zum Ende des Krieges Bauer in Vermont mit kleinen Feldern, viel Wald und vorallem genügend Vieh um sich gerade so übers Wasser halten zu können.

„[…] ich konnte mit Tieren umgehen, vom ersten Farmtag an, als hätte ich nie etwas anderes getan. Was ich nicht liebte, war das Schlachten des Geflügels, doch es gehörte zu meinen unumgänglichen Pflichten – manchmal sogar in großer Anzahl, zum Verkauf. Ich gab unseren Schlachthähnen häßliche Namen, um mir die Sache seelisch zu erleichtern, wir hatten Ribbentrops, mehrere Himmlers, zwei Brüder Goebbels (Paul und Joseph), aber ich hätte auch diese nicht gern selbst geschlachtet.“ (S. 587)

Montag, 14. Juni 2010

neulich im Unterricht

sprach unser Dozent: „zählen Sie doch mal im Satz xy alle Durchgänge“ und verschwand auf die Toilette. Die Tür war grad geschlossen, da kam der Satz geschossen: „Das ist doch ganz klar ne ABM!“ Wie recht sie hatte.

Zuckmayer (6)

„Ich hielt mich, als ich heiratete, mit noch nicht neunundzwanzig für einen erwachsenen Mann. Aber wer weiß, wann er erwachsen ist. Ich war zur Ehe, zur Häuslichkeit gewillt, aber ich war noch nicht domestiziert. Ich hatte vieles kennengelernt, aber ebenso viel noch zu erfahren. Unter anderem, daß die Ehe ein Wagestück ist, wie das Seiltanzen und das Stückeschreiben, und auch, wie beides, eine Arbeit. Das ist sie, nach mehr als vierzig Jahren, geblieben – daher auch niemals langweilig oder stumpf geworden – und hat sich am besten bewährt, wenn das Wetter am schlechtesten war.“ (S. 476)

Dienstag, 8. Juni 2010

Wandern

Seit ich hier bin, nutze ich komplett freie Tage, also meistens die Sonntage, um die Gegend zu erkunden. Einerseits weil sonst die Gefahr besteht, dass ich fast den ganzen Tag zu Hause hocke, andererseits weil das Gen meines Großvaters wohl auf mich überwandert ist. In den näheren Stadtteilen bin ich inzwischen recht viel abgelaufen, letzten Sonntag war ich mal wieder in der Natur. Für alle die zu viel Freizeit haben deswegen drei Preisfragen: Wie lang schätzt ihr die Strecke? Wie lang schätzt ihr bin ich gewandert? Wer findet den Ausschnitt von googleMaps?

Donnerstag, 27. Mai 2010

Zuckmayer (5)

Was mich überraschte, war, wie früh in der Weimarer Republik sich schon ihr späteres Ende abzeichnete.

„In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle aufs tiefste betraf. Am 24. Juni 1922 wurde in Berlin der deutsche Außenminister Walther Rahtenau ermordet, […] er wurde ermordet, weil er Jude war.“ (S. 351)

„Zum ersten Mal hörten wir jene ›Sprech-Chöre‹, von denen später, als Hitlers braune Banden die ›nationale Erhebung‹ inszenierten, die deutschen Städte widerhallten:

»Verreckt ist Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau« “ (S. 352)

Zuckmayer (4)

„Es kam Paul Hindemith […] Auf den Schultern schleppten wir den kleinen, immer lach- und scherzbereiten Musikanten – er liebte sich so zu nennen – durch die Stadt, zu unserem Stammlokal […] In der Ecke stand ein wackliges Piano, auf dem das ›Paulche‹ Hindemith uns nachts mit dem Seehundsklavier bekannt machte: die flachen Hände wie Flossen benutzend, ohne einzelne Tasten anzuschlagen, brachte er köstliche Parodien auf gängige Musikwerke zustande, wobei er selbst wie ein dressierter Seehund aussah. Liszt, Chopin und Wagner, mit Seehundsflossen gespielt, gewannen entschieden an Humor.“ (S. 341)

Zuckmayer (3)

Irgendwie kann ich gut nachvollziehen, wie Fraenger gearbeitet hat:

„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)