Was mich überraschte, war, wie früh in der Weimarer Republik sich schon ihr späteres Ende abzeichnete.
„In diese Zeit fiel ein Ereignis, das uns alle aufs tiefste betraf. Am 24. Juni 1922 wurde in Berlin der deutsche Außenminister Walther Rahtenau ermordet, […] er wurde ermordet, weil er Jude war.“ (S. 351)
„Zum ersten Mal hörten wir jene ›Sprech-Chöre‹, von denen später, als Hitlers braune Banden die ›nationale Erhebung‹ inszenierten, die deutschen Städte widerhallten:
»Verreckt ist Walther Rathenau,
Die gottverdammte Judensau« “ (S. 352)
Donnerstag, 27. Mai 2010
Zuckmayer (4)
„Es kam Paul Hindemith […] Auf den Schultern schleppten wir den kleinen, immer lach- und scherzbereiten Musikanten – er liebte sich so zu nennen – durch die Stadt, zu unserem Stammlokal […] In der Ecke stand ein wackliges Piano, auf dem das ›Paulche‹ Hindemith uns nachts mit dem Seehundsklavier bekannt machte: die flachen Hände wie Flossen benutzend, ohne einzelne Tasten anzuschlagen, brachte er köstliche Parodien auf gängige Musikwerke zustande, wobei er selbst wie ein dressierter Seehund aussah. Liszt, Chopin und Wagner, mit Seehundsflossen gespielt, gewannen entschieden an Humor.“ (S. 341)
Themen:
Zuckmayer
Zuckmayer (3)
Irgendwie kann ich gut nachvollziehen, wie Fraenger gearbeitet hat:
„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)
„[…] den Teekessel und einen Spirituskocher zu seiner Rechten auf dem Tisch, den Pot d’chambre zu seiner Linken darunter, denn er trank bei der Arbeit immense Mengen von Tee, und der Weg zum Lokus war ihm zu zeitraubend.“ (S. 338)
Themen:
Zuckmayer
Montag, 17. Mai 2010
Zuckmayer (2)
„Dies war das erste, folgenschwere ›appeasement‹. Man hatte Hitler freie Hand gegeben, und er steckte sie nicht in die Tasch, wenigstens nicht in seine eigene.“ (S. 141)
Themen:
Zuckmayer
Zuckmayer (1)
Wie schon hier erwähnt, lese ich seit längerem Carl Zuckmayers „Als wär’s ein Stück von mir“. Da darin zwischen vielen autobiographischen Erzählungen immer wieder interessante Feststellungen sind, wollte ich hier mal ein paar zitieren, vorerst unkommentiert. Zum Zusammenhang noch: Carl Zuckmayer ist vor dem zweiten Weltkrieg in die USA emmigriert und dass er nicht in einem KZ gelandet ist, war teilweise mehr Glück.
„Doch es wird immer anders. Es wird immer anders, solange man lebt. Zwar heilt die Zeit keineswegs alle Wunden. Doch sie lehrt uns eine Dialektik der Metamorphose, des Sich-Verwandeln-Müssens. Ihre These ist: der Lebenswille! Ihre Antithese: die Verzweiflung. Ihre Synthese ist die Freundschaft.“ (S. 112)
„Man soll die Emigration nicht für einen Ausflug halten […] wieviel Selbsttäuschung, vergebliche Hoffnung, falsche Zuversicht, zerbrochene Lebensmitte! Dabei hatten wir ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen soll: das waren die Russen, die nach der Oktober-Revolution von 1917 geflüchtet waren […] und jedes Osterfest mit dem Trinkspruch begingen: zu Weihnachten sind wir daheim!“ (S. 113)
Hmm, ich könnte ein paar Seiten dazu zitieren, aber das wäre zu lang, wahrscheinlich sind erlaubte Zitate noch kürzer…
„Doch es wird immer anders. Es wird immer anders, solange man lebt. Zwar heilt die Zeit keineswegs alle Wunden. Doch sie lehrt uns eine Dialektik der Metamorphose, des Sich-Verwandeln-Müssens. Ihre These ist: der Lebenswille! Ihre Antithese: die Verzweiflung. Ihre Synthese ist die Freundschaft.“ (S. 112)
„Man soll die Emigration nicht für einen Ausflug halten […] wieviel Selbsttäuschung, vergebliche Hoffnung, falsche Zuversicht, zerbrochene Lebensmitte! Dabei hatten wir ein gutes Beispiel, wie man es nicht machen soll: das waren die Russen, die nach der Oktober-Revolution von 1917 geflüchtet waren […] und jedes Osterfest mit dem Trinkspruch begingen: zu Weihnachten sind wir daheim!“ (S. 113)
Hmm, ich könnte ein paar Seiten dazu zitieren, aber das wäre zu lang, wahrscheinlich sind erlaubte Zitate noch kürzer…
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Zuckmayer
Sonntag, 16. Mai 2010
wir sind doch alle Freidenker, oder?
Nun, grade unter Musikern ist man für alles offen - aber bitte nicht verwechseln mit Freidenkern. Denn diese sind ja frei von religiösen Bindungen und dafür sind Musiker indirekt doch offen. Mein Dozent z.B. beschäftigt sich intensiver mit der Terlusollogie, was für mich eher Astrologie ist. Auch wenn evt. wissenschaftliche/wahre Zusammenhänge drinnen stecken könnten (m.E. nicht beweisbar), ist der Kern eine falsche Vorstellung von Vorherbestimmung. Was soll man dazu sagen?
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Religion
so lala.
Der Wettbewerb ist vorbei - und ich bin froh darüber. Er hat mir einiges gebracht, hab schnell viele Stücke kennengelernt, mal wieder meinen Wettbewerbswillen geprüft und schlußendlich bin ich ganz zufrieden mit dem, was ich abgeliefert habe. Klar, dass ich hier nicht in die zweite Runde kam und nicht um Preise mitgespielt habe. Einerseits bin ich hier der Jüngste und manche studieren schon so lange, wie ich überhaupt schon Akkordeon spiele; andererseits ist nicht nur deutsches Niveau vertreten, sondern vorallem auch Ausländer, die in Deutschland studieren, natürlich im Aufbaustudium. Nun, jetzt gehts erstmal weiter mit dem Duell für Akkordeon und Schlagzeug. Und es geht mal wieder in die Heimat und ich hab so genügend andere Ablenkung...
Warum so wenig Deutsche vertreten sind? Nun, ich weiß nicht, ob ich jemals auf dieses nahezu perfekte Niveau komme. Denn dafür fehlt mir vielleicht wirklich der Willen. Akkordeon ist nicht alles im Leben, vieles, aber nicht alles. Und andere Dinge müsste ich wohl jahrelang und nicht nur die Wochen vor dem Wettbewerb zurückfahren, um das Niveau halten zu können. Und ganz allgemein: es geht uns in Deutschland zu gut. Warum sind Finnen so gut? Nun, sie haben ein halbes Jahr Nacht und nicht viel Ablenkung, viel Zeit zum Üben. Wenn hierzulande jemand 3 Stunden Computer spielt, ist es nichts ungewöhnliches, bei 3 Stunden Instrument spielen schon. Die andere Seite der Medaille ist, dass diese Besten der deutschen Hochschulen, die sich hier messen wieder zurück in ihr Heimatland wollen/müssen und die zurückgebliebenen deutschen Lehrer nicht diesen Standard erreichen. Naja, die Gedanken sind ausbaufähig, für einige nich neu, für andere vielleicht nich so wichtig - solange ich nicht weiß, wer hier noch kontinuierlich mitliest, muss ich wohl alles posten, über das ich nachdenke und das sich anbietet. schönen Tag noch.
Warum so wenig Deutsche vertreten sind? Nun, ich weiß nicht, ob ich jemals auf dieses nahezu perfekte Niveau komme. Denn dafür fehlt mir vielleicht wirklich der Willen. Akkordeon ist nicht alles im Leben, vieles, aber nicht alles. Und andere Dinge müsste ich wohl jahrelang und nicht nur die Wochen vor dem Wettbewerb zurückfahren, um das Niveau halten zu können. Und ganz allgemein: es geht uns in Deutschland zu gut. Warum sind Finnen so gut? Nun, sie haben ein halbes Jahr Nacht und nicht viel Ablenkung, viel Zeit zum Üben. Wenn hierzulande jemand 3 Stunden Computer spielt, ist es nichts ungewöhnliches, bei 3 Stunden Instrument spielen schon. Die andere Seite der Medaille ist, dass diese Besten der deutschen Hochschulen, die sich hier messen wieder zurück in ihr Heimatland wollen/müssen und die zurückgebliebenen deutschen Lehrer nicht diesen Standard erreichen. Naja, die Gedanken sind ausbaufähig, für einige nich neu, für andere vielleicht nich so wichtig - solange ich nicht weiß, wer hier noch kontinuierlich mitliest, muss ich wohl alles posten, über das ich nachdenke und das sich anbietet. schönen Tag noch.
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